Mit müden Äuglein sitzt Ani mir gegenüber. Ihre Füße neben mir auf der Couch. „Ich habe die ganze Nacht damit zugebracht, das Austauschprogramm unserer Uni zu durchforsten“, erzählt sie. „Ich werde mich für Schweden bewerben.“ Wow! Jetzt wird aus der Idee von damals also wirklich Ernst. Ani beantwortet mir das Wie, Wann und Was und schließlich auch das „Ach, Dings kommt mit?“ mit „Jap. Dings kommt mit.“
Ein bisschen bin ich erleichtert. Damals, als die Idee, nach Schweden zu gehen, erstmals bei Ani anklopfte und um stille, unbefristete Verweildauer bat, war ich eigentlich noch mit im Boot. Irgendwann mal Schweden erschien mir damals auch ganz toll und ich meinte „Klar. Im Moment stell ich mir das auch sehr schön vor.“ Aber der Moment ist jetzt ein anderer. Mit dem ins-Ausland-wollen ist es bei mir wie mit einer Teenagerliebe. Dann und wann stellt sich ein Gefühl ein, bei dem man nicht genau weiß, wo es eigentlich herkommt, und geht auch wieder oder ändert sich. Ich bin gerade nicht in die Schwedenidee verliebt.
Als Ani abends ausgeflogen ist, mache ich mir schon einen Kopf. Die ganz offensichtliche Frage „Kommst du mit?“ wurde vorhin nicht ausgesprochen. Und nun denke ich, dass sie vielleicht enttäuscht ist, weil ich mich gar nicht ins Spiel gebracht habe und nicht gesagt habe, dass ich mitkomme. Oder sauer?
Mein Handy piepst.
„Hey Du, ich würde Dich natürlich sehr gern mit nach Schweden nehmen, aber ich hatte Angst, dass Du nein sagst… Da hab ich lieber nicht gefragt.“
Ich bin also nicht die einzige, die sich gerade den Kopf darüber zerbricht, wie es der anderen wohl geht. Ein bisschen mulmig ist mir schon, als ich der besten Mitbewohnerin der Welt zurücksimse, dass meine Schwedenverknalltheit erkaltet ist und ich auf der Suche nach einer anderen Liebschaft bin. Oder so ähnlich. Ob sie jetzt böse ist?
„Nein, ich bin Dir nicht böse. Hatte nur befürchtet, dass du traurig bist, weil ich nicht gefragt habe. Aber puh. Also ist keiner böse und alles wieder gut.“
Keiner ist böse! Die Erleichterung purzelt an mir herunter und ich kann mich endlich wieder zurücklehnen.
Aber ich will Postkarten.
Und ein Elchbaby.
Bis wir wieder zusammen wohnen.
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vom Zimmer gegenüber: mit rockzipfel aus dem land
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In der Kolumne Erster Stock links schreiben Ani und Anj jeden zweiten Montag aus verschiedenen Zimmern.

