Archiv für die Kategorie ‘Hühnergeschichten’

Hühnergeschichten X

7. Oktober 2009

Benjamin_BluemchenHuhn X (möchte unerkannt bleiben):
„Liebe Anj, bitte veröffentliche das doch mal auf deinem Blog, ich möchte nämlich folgende These ins Plenum stellen: Benjamin B. ist pädophil! Das ist doch komisch: ein großer, erwachsener, aber irgendwie naiver Elefant (der auch noch sprechen kann!) ist auf seltsame Weise mit einem kleinen Jungen befreundet. Und dann heißt es im Titellied auch noch Benjamin B., wir wollen mit dir gehn! Also nein! Ich weiß schon, warum ich mich als Kind vor ihm gegruselt habe.“

Hühnergeschichten IX

16. August 2009

lollipopsHuhn 1, Huhn 3 und Huhn 6 sitzen, Erdbeeren und Kekse mümmelnd und „Drag me to hell“ erwartend, im Kinosaal und starren auf die noch unbelebte, aber dafür seltsam pink-lachs-orange-rot-
beleuchtete Leinwand.

Huhn 3: Hm, diese Farbe sieht aus wie der Uterus einer Frau von innen. … Doch, ehrlich! Ich weiß das noch!

Hühnergeschichten VIII

3. August 2009

Huhn 1 und Huhn 3 schlendern gemütlich auf den Stadtbahnhof zu und beschwatzen angeregt Neuigkeiten aus der Drogereiartikelei.

Huhn 1: Ich hab letztens in einer dieser Girlie-Zeitschriften eine interessante Werbung entdeckt. Da gibt’s jetzt dieses neue Shampoo – sauteuer! Aber ich muss das unbedingt haben.

Huhn 3: Versteh ich. Manchmal muss man Prioritäten setzen. Hoffentlich hält es, was es verspricht.

Aus den Augenwinkeln nehmen sie plötzlich eine verdächtige Bewegung wahr. Oh nein! Sie befinden sich in der gefährlichen Zone am Bahnhofseingang, wo engagierte Promoter Rettet-Chinas-Pandas!-, Hilfe-für-Jesus- und süddeutsche Zeitungsabos  verhökern wollen.  Und einer von ihnen deuert nun direkt auf unsere Hühner zu, in Angriffshaltung, jeden Moment bereit, die beiden mit überzeugenden Argumenten und viel Körpereinsatz daran zu hindern, ihre S-Bahn zu erwischen. Er holt tief Luft, setzt an…

Huhn 3: (lautstark) And THEN he said to me…

Huhn 1: (beinahe gleichzeitig) That’s INCREDIBLE! Well, you know…

Der Angreifer schlägt vor den Hühnern augenblicklich einen perfekten 90-Grad-Haken und verschwindet verängstigt hinter seinen Stand.

Huhn 1: (leiser) Das war ja leicht. Und ich dachte schon, wir müssten uns auf Chinesisch unterhalten.

Huhn 3: (grinst) Nö. Das klappt auch so immer.

Hühnergeschichten VII

23. Juli 2009

Ein ganz gewöhnlicher Abend. Huhn 1, Huhn 9 und Gockel 2 lümmeln sich auf einer Couch und ziehen sich gepflegt einen alten Horrorschinken rein.

Huhn 1: (fängt an, am Ellenbogen von Gockel 2 zu zupfen) Das lustige ist, dass man die Haut brutal langziehen kann, ohne dass das wehtut.

Gockel 2: Aua!

Gockel 2: (schmatzt rum, um Huhn 1 auf die Nerven zu gehen)

Huhn 1: (wirft Gockel 2 eine Packung Schokodinger zu) Mach mal auf.

Gockel 2: (grinst) Ich reiß doch immer gern was auf.

Huhn 1: Ja, aber nur alter Schachteln.

Huhn 1: (an Gockel 2 gewandt) Marshmallow?

Gockel 2: Näää, mag ich nicht so.

Huhn 1: (hält Gockel 2 einen angebissenen Marshmallow vor die Nase) Hmmmm, leckerleckerlecker!

Gockel 2: Nääääääääääääääääääääääääää!

Huhn 9: (entnervt) Mann! Selbst wenn man dabei ist, kann man euch zwei nicht allein lassen!

Hühnergeschichten VI

14. Juni 2009

Huhn 1, 3 und 6 sitzen zu dritt über zwei Stücken Kuchen (Rhababer und Himbeer-Sahne) und diskutieren wichtige Neuerungen in ihrem Leben.

Huhn 3: Ist euch was an mir aufgefallen? (blickt stolz in die Runde)

Huhn1: (aufrichtig) Nö.

Huhn 6: (rät) Hast du vielleicht was mit deinen Haaren gemacht?

Huhn 3: Ja!!!

Huhn 1: (grübelt: Hm… das darf doch nicht wahr sein; normalerweise bin ich doch diejenige, der solche Veränderungen als erste auffallen. Was hat sie denn bloß mit ihren Haaren gemacht? Abgeschnitten??? Nee, die sind eigentlich noch genauso lang wie vorher. Vielleicht nur irgendwie gestuft? Hm, sieht nicht danach aus. Oder gefärbt? Naja, sie wirken etwas heller, aber das könnte auch das Licht hier sein. Strähnchen? Ich seh keine Strähnchen? Also nicht geschnitten, gestuft, gefärbt oder gesträhnt. Ich komm nicht drauf.) Ich komm nicht drauf.

Huhn 3: Ich hab eine neue Haarkur benutzt und sie dann anders geföhnt.

Huhn1: Aaaaaaah!!!!! (verzeiht sich selbst, dass sie darauf nicht von allein gekommen ist.)

Hühnergeschichten V

8. Mai 2009

Huhn 1 und Huhn 8 stehen an einer Ampel und drücken auf das Mach-Grün-Knöpfchen. „Signal kommt!“ Geduldig warten unsere Hühner, bis es wirklich grün wird und schlendern gemütlich über die Straße, während die Autos links und rechts von ihnen notgedrungen warten müssen und sich ein kleiner Stau bildet. Drüben angekommen hat Huhn 1 eine makabere Idee.

Huhn 1: Hihi, lass uns mal noch einmal drücken. Dann müssen die Autos warten, obwohl gar keiner über die Straße will, hähä.

Huhn 8: Nee, das wäre ja Verkehrs…be.. na… Verkehrsbedingsbumselung!

Huhn 1: Stimmt. Immer diese Verkehrsbumser!

Ekeljobs

30. März 2009

Huhn 3: „Es gibt schon eklige Berufe. Gynäkologe, Urologe, Zahnarzt… und Geschirrspülmaschinenreparateur… fällt für mich alles in die gleiche Kategorie!“

Hühnergeschichten IV

28. November 2008

Huhn 1 und Huhn 3 sitzen mit ausgestreckten Beinen auf dem Flur vor ihrem Kursraum und überlegen, wie sie die halbe Stunde bis zum Unterrichtsbeginn rumkriegen können.

Huhn 3: (holt schwungvoll ihr Chinesisch-Buch aus der Tasche) So, los! Wir lesen jetzt einfach mal ein paar Dialoge.

Huhn 1: Au ja! Fang an!

Huhn 1 und 3 lesen nicht gerade fehlerfrei, dafür aber umso motivierter den Dialog aus einer einfachen Lektion.

Huhn 3: (flüstert verhalten) Oh nein!

Huhn 1 schaut auf und entdeckt ein Mädchen, das die beiden Hühner argwöhnisch mustert. Als es anfängt, sich mit seinen Freundinnen zu unterhalten, atmet Huhn 3 erleichtert auf.

Huhn 3: Puh, ‘ne Russin. Na, dann weiter!

Huhn 1 und Huhn 3 blättern weiter und nehmen sich eine mittelschwere Lektion vor.

Huhn 3: (erschrocken) Oh, psssst!

Huhn 1: (hält mitten im Satz inne und starrt ein anderes Mädchen an, das den Gang entlang kommt) (flüstert) Das muss keine Chinesin sein!

Huhn 3: Man weiß ja nie. (wartet kurz) Okay, sie ist weg. Weiter!

Huhn 1 und Huhn 3 sind inzwischen bei einer schwierigen Lektion angelangt und brabbeln sich wacker durch die verschiedensten Töne. Beide sind gerade so richtig in Fahrt, als schallendes Gelächter am Ende des Ganges die beiden Lernhennen aufsehen lässt. Zwei asiatisch aussehende Jungs verschwinden sichtlich amüsiert ins Treppenhaus.

Huhn 3: (entschlossen) Okay, jetzt reichts! (packt energisch ihr Buch weg)

Huhn 1: (versabschiedet sich traurig von dem Gedanken, ein Chinesisch-Genie zu sein)

Aus dem Leben einer Arbeitshenne: Service-Schick

20. Oktober 2008

Es sollte ein ganz gewöhnlicher Tag als Service-Chick werden… aber es kam ganz anders… (muahahaha!)

F war gerade dabei, gekonnt das Tablett voll gefüllter Biergläser durch die Menge zu schwenken, als ich – selbst mit einem Arm voller Teller – ihr zuwisperte: „Du! Da geht was nicht mit rechten Dingen zu! Ich seh dich hinten!“ F nickte unauffällig und deutete mit einer nur für mich sichtbaren Geste an, dass sie sofort an unserem geheimen Treffpunkt sein würde. Dort, wo die Käsetabletts und Raschelfolie eine geheimnisvolle Stimmung auf die sonst baufällige Ruine übertragen…
„Pssst“, hörte ich auch, kaum war ich im Hinterzimmer angelangt. F stand da und war – wie auch ich – mit einem kurzen Schürzchen und einem Rock, der kaum länger war, bekleidet, hochhackigen Pumps und rotlackierten Fingernägeln. Dieser Job verlangte uns eben einiges ab. Aber es sollte noch mehr kommen.
„Ich hab da etwas entdeckt, das mir merkwürdig vorkommt!“ Und so schoben wir uns beide galant in den Lüftungsschacht, krochen durch mehrere Stockwerke, bis wir schließlich im unterirdischen Kellerverließ landeten. „Ein Versuchslabor!“, stellte F mit Blick auf die düsteren Ratten-, Affen- und Elefantenkäfige fest und gesellte sich zu meiner Erschütterung.
Da hörten wir von Weitem laute Schritte, die bedrohlich näher kamen. „Schnell, kopieren wir das Beweismaterial und dann raus hier!“, ordnete ich an und so stürzten wir uns auf die Aktenschränke. Unser gekonnter Blick stellte sofort fest, was wir an Beweismaterial klauen mussten und innerhalb weniger Sekunden waren wir auch schon auf dem Weg nach draußen – durch einen zweiten, geheimen Gang. Auf dem Weg zur Oberfläche legten wir mit kurzen Tritten noch eineige Wachleute lahm. Dann waren wir schließlich draußen und während F ihr Handy zückte, um nach der Polizei zu rufen, zwinkerte sie mir noch kurz zu und ich verstand. „Immer wieder dasselbe!“, stimmte ich zu.

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Okay. Der Bericht von eben verschönigt unser Erlebnis vom Freitag doch ein wenig. Eigentlich wars ja so:
Bei dem Richtferst eines hier nicht zu nennen Betriebes sprnagen F und ich als Service-Tanten ein, drückten uns voller Angst (aber gekonnt!) vorm Kellnern und suchten fast den ganzen Tag Zuflucht hinter einem Buffettisch, wo wir uns nicht mit wackeligen Gläsern auf wackeligen Tabletts, sondern nur mit Brötchenkörben und Käseplatten herumärgern mussten. Das bisschen Action, das es kurzzeitig gab, half nicht, die beinahe 6stündige Langeweile zu übertünchen.
„Nä! Nie wieder!“, stellten wir fest, als wir am Ende des Tages müden Schrittes und halb erfroren zum Bus schlurften.

Hühnergeschichten – aus dem Leben einer Arbeitshenne (3)

19. Juni 2008

Huhn 1: (steckt vorsichtig ihren Kopf in das Büro von Huhn 7, Büro Nr. 1) Äh, ‘tschuldige, aber kann ich mal kurz deinen Schlüssel haben?

Huhn 7: (gibt bereitwillig den Schlüssel rüber) Hast deinen vergessen, wa?

Huhn 1: Nee, hab nie einen bekommen.

Huhn 1 flitzt über den Flur in ihr Büro, Büro Nr. 2, schließt auf, flitzt wieder zurück und legt ihn bei Huhn 7 ab.

… eine halbe Stunde später…

Huhn 1: (muss sich beeilen, um noch in die Sprechstunde von der einen Uni-Frau zu kommen) Kann ich nochmal kurz den Schlüssel kriegen?

Huhn 7: Na klar.

Huhn 1: (huscht zum Büro Nr. 2, schließt ab, huscht weiter ins Büro Nr. 1 und gibt Huhn 7 den Schlüssel zurück) Danke!

… eine weitere halbe Stunde später kommt Huhn 1 zum Glück ohne technische Hilfsmittel ins Büro Nr. 2, denn Huhn 8 ist inzwischen eingetroffen. Beide werkeln einige Stunden rum, bis sich Huhn 8 in die Mittagspause verabschiedet.

Huhn 1: (braucht den Stempel aus Büro Nr. 1, aber Huhn 7 ist nicht mehr da; Huhn 1 geht rasch ins Büro Nr. 3) Kann mir einer von euch vielleicht mal kurz seinen Schlüssel geben? – Danke, bring ich dir sofort zurück.

Huhn 1 spaziert ins Büro Nr. 1, schlißet auf, holt den Stempel, schließt wieder zu, und geht ins Büro Nr. 3, um den Schlüssel zurückzubringen.

…eine Dreiviertelstunde später ist Huhn 1 mit ihren Aufgaben fertig und sieht sich seufzend in dem außer ihr menschenleeren Büro Nr. 2 um.

Huhn 1: (schlurft zu Büro Nr. 3) Hey, kann ich vielleicht noch mal kurz einen Schlüssel bekommen?

Huhn 1 bekommt, was sie will und lahmarschelt ein wenig genervt zurück ins Büro Nr. 2, sammelt ihre Sachen ein, klemmt die Jacke unter den Arm, geht raus und schließt ab.

Huhn 1:(schleicht müde ins Büro Nr. 3) Hier ist dein Schlüssel wieder. Dankeschön. Und tschüß!

Freiheitsdürstend verlässt Huhn 1 das Gebäude und verspricht sich als Energieauflader eine Streuselschnecke vom U-Bahn-Bäcker. Weil sie heute so viel gelaufen ist.