Unischweinereien II

Neulich berichtete einer meiner Unidozenten besorgt, dass das Burn-out-Syndrom auch jetzt immer mehr bei Studenten vorkomme. Das ließ mich ein wenig recherchieren:

„Immer mehr Studierende leiden unter dem für Manager typischen Burn-out-Syndrom wie Depressionen, Angstattacken, Versagensängsten, Schlafstörungen oder Magenkrämpfen. Das berichtet das Deutsche Studentenwerk (DSW) in der jüngsten Ausgabe seines „DSW-Journal“. DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat spricht von einer „Besorgnis erregenden Entwicklung“. Er sagte: „Die Studierenden stehen unter immer stärkerem Erwartungs-, Leistungs- und vor allem Zeitdruck. Die vielen laufenden Hochschulreformen dürfen aber nicht dazu führen, dass ein Studium krank macht.“ Dobischat appellierte an die Hochschulen, insbesondere die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge nicht zu überfrachten.“

Quelle: Campus Reporter


„…zurückzuführen sei die Zunahme auf den immer stärkeren Erwartungs-, Leistungs- und Zeitdruck, der mit den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengängen zusammenhänge.

„Durch die Strukturveränderungen haben die Studenten mehr Arbeit und ständige Leistungskontrollen”, sagt Wilfried Schumann von der psychosozialen Beratungsstelle von Universität und Studentenwerk Oldenburg. Zudem habe die Einführung der Studiengebühren den Zeitdruck erhöht. „Viele Studenten wollen nun möglichst schnell mit dem Studium fertig werden, müssen zusätzlich noch arbeiten und übernehmen sich”, berichtet der Psychologe aus seiner Erfahrung der Beratungsgespräche.“

Quelle: Rhein-Zeitung online

Ich kann mir vorstellen, dass vor allem fehlende Struktur und schlechte Planung dafür Sorgen, dass Studenten immer mehr überfordert sind (oder später sogar am Burn-out leiden). Ein simples Beispiel ist, dass man an der HU-Berlin Bachelor-Englisch-Zweitfach-Student im ersten Semester genauso viele Kurse besuchen muss wie jemand, der Englisch als Kernfach studiert (normalerweise entspricht die Anzahl der Zweitfachkurse höchstens einem Drittel der Anzahl der Kernfachkurse) (Anm.: meine Erfahtung bezieht sich auf das Immatrikulationssemester 2005/06, seitdem kann sich das schon wieder geändert haben).

Kennt ihr weitere solcher Beispiele? Was sollte man ändern? Woran liegt es, dass Studenten immer häufiger am Burn-out-Syndrom leiden? Sind wirklich die neuen Bachelorstudiengänge daran schuld oder sind solche Veränderungen auch in den „alten“ Diplom- und Magisterstudiengängen zu beobachten?

Da mich das Thema sehr interessiert, würde ich mich sehr über eure Beiträge freuen.

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15 Antworten to “Unischweinereien II”

  1. Anika Lindtner Says:

    Hm..ich kann nur von mir berichten, dass ich ebenfalls die Einstellung habe, schnell fertig zu werden, aber da ich nebenbei arbeite ist mir das nicht möglich und ich muss wahrscheinlich länger machen, als ich will und das belastet micht schon ziemlich. Hin- und hergerissen zwischen „huschhusch“ und „ich will aber doch noch was davon mitnehmen“ und „huschhusch geht gar nicht, es ist einfahc mal zu viel“…

    Und Magenkrämpfe hatte ich auch…aber das liegt ja leider an etwas anderem..^^

  2. Anj Says:

    Meine Kopfschmerzen liegen bestimmt auch an was anderem, werden aber durch die Uni auf jeden Fall begünstigt.

    Ich hab noch ein zweites Beispiel, nämlich dass ich Glück im Unglück hatte (manchmal habe cih echt so ein Glück!!!): Im ersten Semester haben sich ja meine Kurse überschnitten, so dass ich von meinem Zweitfach nur eine VL anstatt von 2 VL2 und einem SE besuchen konnte. Das fand ich damals richtig blöd, aber jetzt im Nachhinein fällt mir auf, dass ich ja (hätte ich alle Kurse gekriegt) 5 Prüfungen innerhalb von 2 Wochen gehabt hätte. Ich glaube, das kann ziemlich bschreckend für 1Semstler sein… Aber wie gesagt, ich hatte ja doch nicht so viele Stunden und daher auch nicht so viele Prüfungen.

  3. Jule Says:

    Ich kann mir schon vorstellen, dass es nur schlimmer wird. Die Bachelor-Leute müssen etwa genausoviel machen in kürzerer Zeit, wie die Magisterleute und sie sollen auch Praktika machen, vielleicht noch ins Ausland gehen oder nebenbei arbeiten, zumal in Hessen ab dem nächsten Semester Studiengebühren kommen, was ich dämlich finde, einfach so generell und speziell für mich, denn wie oft werde ich im nächsten Semester in die Uni gehen? In die Bibs und dann in die Prüfungen und nach der Hälfte des Semesters bin ich ohnehin raus und dafür soll ich 500 Eus plus die normale Semestergebühr von 200nochwas zahlen. Bei mir ist das mit dem Geld nicht so schlimm aber ich kann mir schon denken, dass viele viel Stress haben werden, das Geld zusammenzukriegen oder sogar abbrechen müssen.
    Wie das in den „alten“ Sudiengägen mit Burn-Out aussieht..nach der Prüfungsphase ist jeder platt und dann auch noch die Unsicherheit, was mach danach macht. Fest steht, das es nicht einfacher wird.

  4. Anj Says:

    Oh, das ist ja interessant (und antürlich fies!), dass die bei euch schon Studiengebühren eingeführt haben. Ich glaube, in Berlin ist da noch kein genaues Jahr in Aussicht, in dem das auch passiert. Was ist mit den Leuten, die das nicht zahlen können? Kriegen die dafür einen Bildungskredit oder so?

  5. Muschelschubserin Says:

    Ich zahle gerade zum zweiten Mal 655,71 Euro im Semester. Wenn mir meine Eltern nicht extrem helfen würden, wäre das für mich definitiv nicht zahlbar. Da ich am Ende des Studiums stehe, gehe ich nicht mehr in Vorlesungen und nehme so gut wie keine Leistungen der Uni mehr in Anspruch. Ich hab auch nix davon, wenn ich fünf Jahren mal angefangen wird, vernünftige und aktuelle Bücher für die Bibliothek zu kaufen oder die Hörsäle zu renovieren. Dann bin ich längst weg. Und ich habe, wie alle meine Kommilitonen aus meinem Semester, unter völlig anderen Bedingungen angefangen zu studieren. Ich kenne Leute, die haben ihr Studium abgebrochen, nach etlichen Semestern, weil sie es sich nicht mehr leisten konnten. Das sind etliche Jahre, die man sozusagen umsonst studiert hat, und etliche Jahre, die man hätte in die Rentenkasse einzahlen können bzw Geld verdienen…

    Unter Studenten gibt es übrigens nicht nur vermehrt das Burnout-Syndrom, sondern auch andere Arbeitsstörungen, die sich zum Beispiel im ewigen Aufschieben äußern. Viele kommen nicht damit zurecht, einen völlig ungeplanten Alltag zu haben, und dann gibt’s vor allem vor Prüfungen und größeren Arbeiten sehr häufig Probleme. Die Unipsychologen wissen sofort Bescheid. Es ist wie das Burnout-Syndrom ein wachsendes Problem.

    Bei Google findet man jede Menge, wenn man nach Arbeitsstörung und Studenten oder ähnlichem sucht.

  6. Anj Says:

    Ich wusste gar nicht, dass dieses Aufschieben auch eine Krankheit sein kann, bzw ein Symptom dafür…

    Das schlimme an den Unigebühren sit ja, dass sie eben NICHT für vernünftige Bücher verwendet werden. Eine meiner Dozentinnen hat erzählt, dass ihr Mann an einer Uni oder Hochschule arbeitet, wo jetzt auch Gebühren genommen werden. Diese aber dürfen nicht für Bücher oder neue Lehrkärfte verwendet werden. Komische Sache, aber es ist vorgeschirbene, für was das Geld ausgegeben werden darf, so z.B. für neue technische Geräte, was ja eigentlich auch toll ist. Aber am meisten gebraucht werden doch Lehrkräfte, die aber iwederum von den Gebühren nicht bezahlt werden können und dürfen.

  7. F. Oldörp Says:

    ein hoch auf die eltern! ohne ihre finanzielle unterstüzuung würde ich das studium nciht schaffen, da ich wirklich überhaupt keine zeit habe arbeiten zu gehen. obwohl nachts… wozu schlafen.

  8. Jule Says:

    Irgendwann hat auch der letzte Hörsaal und der kleinste Raum einen Beamer und eine Hyper-Mega-Soundanlage, die keiner bedienen kann, weil keine Studenten mehr da sind…

    Ich weiß nicht, wenn nun auch Aufschieben einen Störung ist, dann ist jeder Mensch reif für den Psychater/Psychologen oder wen auch immer. Aber vermutlich sind die Übergänge, wie immer, fließend, was als normal und was als krankhaft oder zumindest bedenklich oder gefährlich für die Psyche eingetuft wird.

  9. tina0822 Says:

    Erst letztens habe ich gelernt, dass Deutschland im vergleich zu anderen europäischen Ländern die geringste Abiturientenquote und damit auch die geringste Studentenquote hat. Das erhöht man durch Gebühren bestimmt nicht.
    Sollen die doch lieber Aufnahmeprüfungen machen und jeder, der diese Prüfung besteht, darf dann sein gewünschtes Fach kostenlos studieren. Wenn man schon Studiengebühren einführt, dann für Langzeitstudenten, also vielleicht diejenigen, die ihre Regelstudienzeit um mehr als ein oder zwei Semester überziehen. Geht natürlich nur, wenn man alle Studenten so finanziert, dass keiner überziehen muss, weil er nebenbei arbeiten muss.
    Ich bin sowieso seit langem dafür, dass das Kindergeld abgeschafft wird und dafür alles für Kinder kostenlos ist: Kindergartenplätze, Schulbücher und natürlich auch das Studium. Dann wüsste man wenigstens, dass das Geld denjenigen zugute kommt, für die es gedacht ist.

  10. Anj Says:

    Wirklich? Deutschland hat die geringste Abiturientenquote in Europa? Waren da alle europäischen Länder im Gespräch? Und woran liegt das? Sind wir döfer oder ist das hier einfach schwerer zu schaffen?
    Ein anderes Gerücht, was ich gehört habe: Nämlich dass der Staat (oder das Land Berlin, oder irgendwer sonst 😉 ) jetzt dafür ist, mehr die Elitestudiengänge zu unterstützen, die eh schon einen guten Ruf haben, weil es sich wohl für die am meisten lohnt. Im Gespräch waren dabei so Jura und Meidzin. Ein blödes Prinzip, wie ich finde, immerhin haben es gerade die anderen Studiengänge, die sonst nicht beachtet werden, verdient, gefördert zu werden. Wenn sich mal einer die Anglistik/Amerikanistik Bibo bei uns anschaut, versteht er, was ich meine. Und wieder ein Beispiel: Die meisten Leute die sich an der Uni bewerben, wollen Englisch studieren! Eine Freundin erzählte mir, dass sich im WS 2005 18.000 (!!!) Leute für Englisch beworben haben und 120 wurden genommen! Wahnsinn! Warum fördert man dann nicht gerade solche Studienplätze, die so beliebt und dann auch noch in einer so beliebten Uni sind?

  11. Muschelschubserin Says:

    Ich meinte natürlich nicht, dass jedes Aufschieben krankhaft ist. Wie Jule sagte, es gibt krasse und harmlose Abstufungen. Von absolut normal bis krankhaft.
    Das mit den Elitestudiengängen stimmt soviel ich weiß. Ich glaube, es wurden sogar schon kleinere Fächer abgeschafft, um mehr die großen zu fördern. Im Großen und Ganzen führt so eine Entwicklung zu immer mehr „Schere“ in der Gesellschaft: Zwischen Arm und Reich, Gebildet und Ungebildet. Eigentlich schade, wenn der Zugang zu Bildung nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe möglich ist.
    Andererseits ist es in anderen Ländern noch extrem viel teurer zu studieren als hier. Die würden sich freuen über so wenig zu bezahlendes Geld. :/

  12. Anj Says:

    Ja stimmt, wie funktioniert das eigentlich da? Zum Beispiel in Amerika… da müssen doch die Eltern 20 JAhre lang sparen, bis sie ihr Kind aufs College schicken können. Aber was ist, wenn sie so viel nicht sparen können? Und es gibt ja auch sicherlich nicht für jeden ein Stipendium? Echt schlimm… Also gut, da sind unsere Studiengebühren gar nichts gegen. Soll natürlich nicht heißen, dass sie somit gerechtfertigt werden. Vor allem, weil ich es fraglich finde, ob das Geld wirklich der Uni zugute kommt.

  13. Chris Says:

    Hallo! das geld kommt je leider nicht der uni zu gute, sondern ist dazu da, um haushaltslöcher zu stopfen. „studiengebüren“ ist also ein ganz falscher begriff. vielleicht sollten sie es eher „staatsabgabe“ oder so nennen 🙂 ich glaube in den US ist es so, dass viele leute auch in die armee eintreten, da diese ihnen das studium finanziert. oder man nimmt eben doch einen kredit auf 😦 prinzipiell fände ich studiengebüren im rahmen von 500 euro pro semester schon ganz okay wenn das geld wirklich mal in die jeweilige fakultät fließen würden. dann würde unsere bibo für englisch vielleicht mal die magische grenze von 50 büchern knacken 🙂

  14. Anj Says:

    Hier gibt es sowas auch, dass man glaub ich dem Bund beitritt und dann über den studiert. Der Nachteil ist aber, dass du da nicht so schnell wieder rauskommst und – glaube ich – auch später einen Arbeitsplatz zugewiesen bekommst. Eiene Freundin wollte mal Meidzin beim Bund studieren und hätte dafür auch noch so krasse Sportaufnahmetests machen müssen. Ein Freund von mir hat wiederum mal eine Ausbildung beim Bund gemacht und dafür echt viel Kohle gekriegt!
    Ja, ich finde es auch am schlimmsten, dass Studiengebühren nicht der Uni zugute kommen (wie man ja munkelt). Das gleiche passiert garantiert auch mit der Öko-Steuer. Es wird einfach alles in einen großen Topf geschmissen und rausgefischt, was man für irgendein tolles Projekt braucht (neue Autobahnen oder so)

  15. Lucinda Brocklesby Says:

    SONORA VIDEO AND ELECTRONICS, INC. – An Authorized Radio Shack Dealer

    Thank you for your post!

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