Demo-nisierung

Der Bus kämpft sich im langsamer werdenden Stop-and-Go auf einer Ausweichroute zu seiner Endhaltestelle. Ob er diese erreichen wird, wissen die Fahrgäste nicht, denn sie steigen einer nach dem anderen einfach zwischen den Haltestellen aus, um auf U-Bahnen umzusatteln. Oder um noch mitzumachen.

Ein Mädchen läuft hastigen Schrittes – sie ist ein bisschen zu spät dran – Richtung Unigebäude, biegt um eine Straßenecke und wird auf einmal mitgezogen. Von einem Strom aus bunten Haaren, großen Plakaten und Aufrufechos. Sie wird mitlaufen, denn da kommt so schnell erst einmal nicht mehr raus – stellt sie belusitgt fest.

Für selbstbestimmtes Lernen und freien Zugang zur Bildung.
Für fortschrittliche und emanzipatorische Politik.
Für alle.

Es ist Bildungsstreik.

Drei StudentInnen gehen am frühen Abend ins Hauptgebäude ihrer Uni. Sie reden über ihre Präsentation für den Kurs nächste Woche, überlegen, wie man noch ein paar Gags einstreuen könnte. Und halten plötzlich inne. Da hat wohl jemand zu Recht Vorsorge getroffen. Denn wo das Foyer sonst immer von wissenschaftlichen Ausstellungen verziert wird, sind jetzt die Überbleibsel eines Schlachtfeldes erkennenbar. Und überall jene Utensilien, die man sonst nur von hinten sieht.

Durch Zerstörung kann man etwas verbessern.

Ja???

14 Antworten to “Demo-nisierung”

  1. Tina Says:

    Ich dachte man demonstriert gegen das Turboabi. Aber selbstbestimmtes Lernen ist ja auch ein konkretes Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Lernen, wie man hinterher wieder aufräumt, gehört nicht dazu…

  2. Goldi Says:

    Und dann sieht der Alex aus wie ein Schlachtfeld und die Uni-Caféteria wird frühzeitig geschlossen, weil die kleinen Dämon(strant)en anfangen, zu klauen…

  3. Nightflow27 Says:

    Antwort: Nee!!!
    Demo ja – Krawall nee!! Basta!!

  4. Kassiopaia Says:

    Immer diese Leute, die es übertreiben müssen. Schon mla was von friedlicher Demo gehört?!

    Ein schönes Plakat war aber: Reiche Eltern für alle.

  5. Tina Says:

    Reiche Ehemänner für alle hätte mir besser gefallen. Man will doch nicht ewig von den Eltern abhängig sein…

  6. Kassiopaia Says:

    Nee, das nicht, aber mit reichen Eltern, die einem das Studium locker finanzieren können, lernt es sich leichter. Man muss so halt nicht unbedingt einen Nebenjob machen, wenn man schon ausgezogen ist und seine Miete irgendwie zahlen muss.
    Und so viele Studenten sind ja nicht verheiratet, da machen reiche Ehemänner eher wenig Sinn.😉

  7. Patrick Says:

    Hier wurden wir davon verschont. Die Studenten haben gestern den Hauptverkehrsknoten (Kreisverkehr) in der Würzburger Innenstadt für 2 h lahm gelegt indem sie einfach ständig im Kreis über die Zebrastreifen gegangen sind und die Autos somit nicht weiterfahren konnten ^^ Randaliert wurde jedoch so gut wie nicht, lediglich ein paar Trittbrettfahrer hatten die Straßenbahnschienen besetzt.
    Schön wärs gewesen wenn die Gewerkschaft bei der Tarifverhandlung mal ähnlich kreativ gewesen wäre, da standen wir gerade mal mit 20-30 Leuten in der Stadt und mussten uns noch beschimpfen lassen …

  8. F Says:

    Eh alles eine Farce. Bei uns war es recht friedlich und die streikenden Studenten haben sich schon richtig was einfallen lassen, mit alternativen Vorlesungsverzeichnis und anderen Aktionen.

    Die Sache an sich ist klar linksgerichtet, was den eigentlichen Zweck etwas fraglich erscheinen lässt. Die Parolen sind leer und platt: „Gleiche Bildung für alle!“ – Klar will ich auch! Aber wie? „Gegen Globalisierung!“ – Wie, ein Auslandssemster wollt ihr trotzdem machen? „Gegen Bachelor und Master!“ – Der Zug ist leider abgefahren. Sie sind da. Leider haben unsere Oberen bei der Einführung nicht gut überlegt, aber hauptsache man hat erstmal was aus Amerika übernommen.

  9. Schaps Says:

    Chaoten gibt es immer…siehe Fußballfans. Solche Leute relativieren jedesmal die ernstgemeinte Demos

  10. Anika Says:

    ach, ein paar demoliererInnen sind immer dabei. das ist doch natürlich nicht in bzug gesetzt zu den forderungen. die wollen einfach aufmerksamkeit, wut rauslassen und schlagzeile (die es leider meistens auch nur so gibt…oder hat man schon mal von einer friedlichen demo auf der titelseite gelesen? …echt schade heutzutage)

    klar sollte man das nicht unterstützen, aber die frage stellen, von wegen, wollt ihr so das bildungssystem retten, kann man natürlich auch nicht, weil soetwas natürlich nie geplant ist und spotan passiert und dann auch nur durch einen gerungen prozentsatz der demostrantInnen.

  11. lordfoltermord Says:

    Sach ma, bist Du jetzt im Blogstreik oder im wohlverdienten mehrwöchigen Urlaub? Es ist ziemlich ruhig hier derzeit … muss ich mir Gedanken machen?

    Schöne Grüße!

  12. Anj Says:

    Lord: Oh je, ist es wirklich schon ein Monat?? Nee, kein blogstreik, kein mehrwöchiger Urlaub. Auch kein einwöchiger. Die Zeit flattert gerade so dahin. Ich verabschiede mich noch in einen Musicalkurzurlaub und bin ab Montag hoffentlich wieder voll da!😉

  13. lordfoltermord Says:

    Dann bin ich ja beruhigt …

  14. Ihsan Says:

    „Eine Besserung durch einen gewaltsamen Umsturz wird nicht zu erwarten sein.“

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