China-Fazit die fünfte

Step 5: Get the best of it  

Das beste draus machen bedeutet das beste bekommen. Nach ein, zwei Monaten Qingdao dämmert’s einem langsam: trotz entsprechender Einwohnerzahl kann man mein neues Zuhause kaum als Großstadt bezeichnen. Das Kultur- und Barangebot ist nett, aber überschaubar, sodass man am Wochenende immer wieder den gleichen Gesichtern begegnet. Dafür liegt Qingdao unweit von Peking und Shanghai. Und das beste draus machen heißt in diesem Fall Rucksack packen und Wochenendtrips in die wirklichen Metropolen unternehmen. Zu unterrichten ist in keinem Fall eine leichte Aufgabe. Aber chinesischen Studenten, die es aus der Schulzeit gewöhnt sind, still und reserviert zu sein, in einem Theaterkurs beibringen zu wollen, aus sich herauszugehen, ist eine unglaubliche Herausforderung. Da heißt es Hände vorm Gesicht zusammenschlagen und mit dem Schreien warten, bis man wieder zu Hause ist. Aber: auch daraus lässt sich das beste machen. Man muss nur versuchen, in Sekundenschnelle spontan und kreativ zu sein, sich in die rund 10 verschiedenen Rollen des Stücks hineindenken, Bewegungsanweisungen geben und dann auf einem imaginären Regiestuhl zusammensinken, um die Nachwuchsschauspieler bei ihren ersten unsicheren Schritten Richtung Rampenlicht zu beobachten. Die Entwicklung eines funktionierenden Stücks für den alljährlichen Theaterwettbewerb zwischen den Sprachinstituten der Universität Qingdao war die schwierigste und gleichzeitig beste Aufgabe, mit der ich mich als Praktikantin konfrontiert sah. Schauspiellehrerin, Regisseurin, Choreografin, Drehbuchlektorin und Motivationskünstlerin („Das wird ganz toll! Jetzt ist es viel Arbeit, aber ihr werdet sehen – es wird keinen besseren Tag in eurer Unilaufbahn geben als den, wenn ihr euren großen Auftritt habt! Ehrlich!“) – vor all diesen Jobbezeichnungen darf für mich gern ein „Möchtegern-“ gesetzt werden. Und die Belohnung für die ganzen Mühen? Genau, der Auftritt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, einem Theaterstück von hinter der Bühne aus zuzuschauen, das man quasi von Anfang bis Ende mitentwickeln durfte. Vor allem, wenn man sieht, wie die anfangs steifen, reservierten Schauspieler dann plötzlich zu Popliedern tanzen, Todesschreie ausstoßen und als Armee von Zeitdieben aufmarschieren. Ich war nie stolzer.
Spaßtipp für die nächste Geburtstagsparty: Konfettikanonen abschießen. Habe ich in Deutschlandnoch nie gemacht und bin mir auch nicht sicher, ob es die Dinger da gibt. Aber wenn ja, werde ich mir sicher welche besorgen. Ich hatte eine Heidenfreude daran, eine besagte Kanone am Ende des Theaterstücks über der Bühne abzufeuern.

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