Archive for the ‘Erster Stock links’ Category

Einmal Skandinavien und zurück

26. Januar 2010

Aufgefallen, gelernt und gemerkt beim Kurztrip zur ehemaligen Nachbarin vom Zimmer gegenüber, jetzt Nachbarin vom Land gegenüber:

  • Die Dänische Bahn hat genauso oft Verspätung wie die Deutsche: immer.
  • Was tun, wenn man nichts von der dänischen Zugansage versteht, diese nicht auf englisch übersetzt wird, plötzlich alle Mitreisenden fluchtartig den Zug verlassen und der Schaffner dich ignoriert? Darauf vertrauen, dass einer Skandinavierin dein verwirrtes Gesicht auffällt.
  • Aldiware gibts nicht nur bei Aldi, sondern auch beim Gemüselädchen in einer südschwedischen Kleinstadt. Ist schon wieder Duplo-Zartbitter-Saison? Dort schon.
  • In Lund ist alles teuer außer naturfarbene, blau beschmetterlingte Stoffbeutel.
  • Es braucht 10 Jahre in einem englischsprachigen Land, damit man nicht mehr raushört, dass dies nicht deine Muttersprache ist.
  • Eine Formigran ist besser als vier Aspirin. Trotz Müdigkeit.
  • Das Red Thai Chicken Curry beim Thailänder Futterstand am Kopenhagener Flughafen ist als erstes alle. Das Leitungswasser dort schmeckt seltsam.
  • Empfehlenswert: Schwedische Schokoklopsbällchen, die an Rumkugeln erinnern, aber außen mit Hagelzucker bestreut und innen schön matschig sind.

Ein zweites Mal Skandinavien und zurück? Auf jeden Fall.

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… und für kleine Jungs

12. Januar 2010

Da hat’s die beste Mitbewohnerin der Welt wahr gemacht und schon ist alles anders. Leerer irgendwie. Außer der eine Schrank – wir haben jetzt Früchtetee. Aber ansonsten – keine Schalen mit Müslerest auf der Waschmaschine, keine braunen Wollfäden auf meinem Zimmerteppich, keine buntlackierten Füße neben mir auf der Couch. Dafür hat mein Telefon nun einen Zwillingsbruder, meine Zahnbürste aber zum Glück nicht mehr: vom Vertausch ausgeschlossen. Und das Bad? Das ist auf einmal zur Mutter aller wandelnden Klischees geworden:
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linker Badewannenrand               rechter Badewannenrand

Erster Stock links: Aus dem Land geliebt

2. Februar 2009

Mit müden Äuglein sitzt Ani mir gegenüber. Ihre Füße neben mir auf der Couch. „Ich habe die ganze Nacht damit zugebracht, das Austauschprogramm unserer Uni zu durchforsten“, erzählt sie. „Ich werde mich für Schweden bewerben.“ Wow! Jetzt wird aus der Idee von damals also wirklich Ernst. Ani beantwortet mir das Wie, Wann und Was und schließlich auch das „Ach, Dings kommt mit?“ mit „Jap. Dings kommt mit.“
Ein bisschen bin ich erleichtert. Damals, als die Idee, nach Schweden zu gehen, erstmals bei Ani anklopfte und um stille, unbefristete Verweildauer bat, war ich eigentlich noch mit im Boot. Irgendwann mal Schweden erschien mir damals auch ganz toll und ich meinte „Klar. Im Moment stell ich mir das auch sehr schön vor.“ Aber der Moment ist jetzt ein anderer. Mit dem ins-Ausland-wollen ist es bei mir wie mit einer Teenagerliebe. Dann und wann stellt sich ein Gefühl ein, bei dem man nicht genau weiß, wo es eigentlich herkommt, und geht auch wieder oder ändert sich. Ich bin gerade nicht in die Schwedenidee verliebt.
Als Ani abends ausgeflogen ist, mache ich mir schon einen Kopf. Die ganz offensichtliche Frage „Kommst du mit?“ wurde vorhin nicht ausgesprochen. Und nun denke ich, dass sie vielleicht enttäuscht ist, weil ich mich gar nicht ins Spiel gebracht habe und nicht gesagt habe, dass ich mitkomme. Oder sauer?
Mein Handy piepst.

„Hey Du, ich würde Dich natürlich sehr gern mit nach Schweden nehmen, aber ich hatte Angst, dass Du nein sagst… Da hab ich lieber nicht gefragt.“

Ich bin also nicht die einzige, die sich gerade den Kopf darüber zerbricht, wie es der anderen wohl geht. Ein bisschen mulmig ist mir schon, als ich der besten Mitbewohnerin der Welt zurücksimse, dass meine Schwedenverknalltheit erkaltet ist und ich auf der Suche nach einer anderen Liebschaft bin.  Oder so ähnlich. Ob sie jetzt böse ist?

„Nein, ich bin Dir nicht böse. Hatte nur befürchtet, dass du traurig bist, weil ich nicht gefragt habe.  Aber puh. Also ist keiner böse und alles wieder gut.“

Keiner ist böse! Die Erleichterung purzelt an mir herunter und ich kann mich endlich wieder zurücklehnen.
Aber ich will Postkarten.
Und ein Elchbaby.

Bis wir wieder zusammen wohnen.

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vom Zimmer gegenüber: mit rockzipfel aus dem land

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In der Kolumne Erster Stock links schreiben Ani und Anj jeden zweiten Montag aus verschiedenen Zimmern.

Erster Stock links: Arbeitsbeziehung

29. Dezember 2008

Arbeiten alleine motiviert. Nicht. Da holt man sich besser die auch-zu-tun-habende Ani ins Zimmer und startet ein Minihallenprojekt in den eigenen vier Wänden.

Nachdem ich mich mit meinem wärmenden Lappi auf dem Schoß zurechtgesetzt habe, hoppelt Ani mit PC und Strippen und Stulle dazu und das Teamwork à la „Jeder für sich“ kann starten. Nach einigem Hin und Her mit „Stört dich das“ / „Kann ich so sitzen“ / „Nimm die Füße von meiner Stulle“ gehts los und jeder werkelt so ein gutes knappes halbes Stündchen vor sich hin.
Das Telefonklingeln unterbricht die Tippereistille. T berichtet mir, wie C ihre Handy-PIN verloren hat und jetzt nicht mehr simsen kann und ob wir bald Kaffee trinken und dass wir ja morgen weiterreden können. Jetzt muss ich erst Tee wegtragen und Ani guckt nach ihrem Brot im Brotbackautomaten, das aussieht wie zwei lose lebende Hühnchenbeine, die brutal verdreht umherzappeln.
Zurück in der Minihalle kriege ich einen Lachanfall, weil ich „Hot Summer“ singe, was letztes Silvester lief und uns eine witzige Mitternachtsstunde bescherte. Ani hat einen Teller mit Kräckern und Quaxi-Fröschen vor sich und will Freundin 3  zum heutigen Videoabend einladen. Jetzt brauchen wir nur noch einen Beamer und Eis. Und einen Film.

Zu zweit arbeiten ist wirklich motivierender.

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vom Zimmer gegenüber: Beziehungsarbeit

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In der Kolumne Erster Stock links schreiben Ani und Anj jeden zweiten Montag aus verschiedenen Zimmern.

Erster Stock links: Auf den Strich!

15. Dezember 2008

Sowas ist nicht schön. Da kommt man in die Küche und was türmt sich auf der Waschmaschine? Nee, keine schmuddeligen Schlüpferchen und durchgelaufene Ringelsöckchen – so verschweint ist unsere WG dann doch nicht. Sie hält es nur nicht für nötig, den wachsenden Geschirrberg zu beachten, bis sich schließlich doch mal eine (ich) erbarmt,  um ihn abzuarbeiten. Also Spüli geschnappt und Schwamm geschwungen.

Eine halbe Stunde später stelle ich erleichtert die letzte tropfende Tasse falsch herum auf die Ablage. Trocknen geht auch ohne mich. Da hopst Ani in die Küche und lässt ein „Oh, warste schneller, wa?“ fallen. Ja klar. Als hätte sie überhaupt vorgehabt, demnächst noch abzuwaschen. „Na dann!“, flötet sie, schiebt mir ihre Müslischale zu und tänzelt zurück in ihr Zimmer. Völlig erledigt packe ich das letzte bisschen Energie in meinen durchweichten Schrumpelhänden und kämpfe mich durch Joghurt-Haferflocken-Klebereste, bis ich dann tatsächlich fertig bin.

Mit Genugtuung öffne ich den Schrank und lächel die Post-Its an, auf denen Abwasch- und Müllrunterbringen-Strichlisten geführt werden. Hämisch grinsend male ich mir einen dicken blauen Strich unter „Abwasch: Anj“ und liege damit in Führung. Das war mir die Schufterei wert.

Und Ani? Ha! Die wird es nie schaffen, erste am Abwasch zu sein. Ich werde einfach jeden Morgen ihren Feedreader mit sinnlosen Blogeinträgen füttern. Davon kann sie sich nie losreißen.

Muahaha!

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vom Zimmer gegenüber: spülstrich

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In der Kolumne Erster Stock links schreiben Ani und Anj alle zwei Wochen aus verschiedenen Zimmern. Jeden zweiten Montag.

Erster Stock links: Flurspaziergang

6. Dezember 2008

Da fühlt man sich wieder wie ein kleines Kind.

Erst trampelt man halb verschlafen zum Badezimmer und kommt auf dem Weg dahin am Schuhregal vorbei. Mit müden Augen sieht man seine schwarzen Winter-Schnür-Luftpolstersohlen-Stiefel und hat DIE Erkenntnis des Tages: Öh, da steckt ja was drin! Auf einmal muss alles ganz schnell gehen. Man ermahnt sich, erst ins Bad zu gehen und dann nach dem Stiefelinhalt zu fischen. Mit fahrigen Bewegungen drückt man sich dann Zahnpasta auf die Bürste, schrubbelt unaufmerksam herum und beendet die Katzenwäsche anderthalb Minuten später, nur, um an dem Stiefel mit Inhalt wieder vorbei zu schlüpfen und ins eigene Zimmer zu huschen. Denn da stehen die Päckchen, die man selbst schon vorbereitet hat. Die klemmt man sich jetzt aufgregt unter den Arm und schleicht auf leisen Sohlen wieder zurück auf den Flur. Sorgsam verteilt man sie in fremde Schuhe (oder legt sie drauf, weil sie sich nicht reinquetschen lassen) und genießt für einen Moment das Gefühl, dass heute ein toller Tag ist. Dann aber übermannt einen wieder das Kind-sein und man grapscht motiviert nach dem Päckchen in seinem eigenen Stiefel, saust zurück ins Zimmer, springt ins Bett unter die warme Kuscheldecke und zerrupft erfreut das Geschenkpapier, um sich schließlich selig und mit nackigem Päckcheninhalt in den Händen ins Kissen zurücksinken zu lassen.

Es ist Nikolaus!!!

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> vom Zimmer gegenüber: flurgeheimnis

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In der Kolumne Erster Stock links schreiben Ani und Anj alle zwei Wochen aus verschiedenen Zimmern.
Außer heute immer montags.