Archive for the ‘Hühnergeschichten’ Category

Hühnergeschichten XVI

24. Oktober 2010

Huhn 1, Huhn 12 und Huhn 13 stehen in einem Bus und klammern sich krampfhaft an den Haltestangen fest, während sich das einzige öffentliche Verkehrsmittel in ihrer Stadt schwankend und schnaufend seinen Weg durch die vielbefahrene Straße bahnt.  Alle drei Hühner haben ihren Blick durch die Seitenfenster nach draußen gerichtet, um auch ja nicht die richtige Haltestelle zu verpassen. Plötzlich stoppt der Bus und auch die Autos vor ihnen bewegen sich keinen Zentimeter mehr.

Huhn 12: Na toll. Das passiert natürlich, wenn man mal eben kurz eine kleine tragbare Heizung und eine Kuscheldecke kaufen will.

Huhn 13: Hm, ein Stau. Mich würde mal interessieren, was da vorn los ist.

Huhn 1: Wahrscheinlich nur eine Kreuzung, wo es nicht voran geht. Heute sind in der ganzen Stadt die Ampeln ausgefallen…

Huhn 12: Sollen wir einfach aussteigen und laufen?

Huhn 1: Weißt du denn, wie weit es noch ist?

Huhn 12: Nee.

Huhn 1: Also Taxi? Weißt du, wie man den Namen des Supermarkts auf chinesisch sagt?

Huhn 12: Nee.

Huhn 1: Hm…

Alle drei Hühner blicken verstohlen nach draußen und beobachten mit wachsendem Interesse die Hochzeit, die gerade vor dem Hotel gegenüber stattfindet. Konfetti fliegt und ein kleines Feuerwerk sprüht bunte Funken.

Huhn 12: (zeigt überrascht nach draußen) Was macht denn das Auto da?

Die Hühner sehen mit großen Augen mit an, wie ein Auto einfach auf dem Bürgersteig vorbeifährt, weil auf der Straße kein Vorankommen mehr ist.

Huhn 13: Darf man das hier?

Huhn 1 und Huhn 12: (zucken resigniert mit den Schultern, als könne sie hier nichts mehr überraschen)

Huhn 1 widmet ihre Aufmerksamkeit wieder der Hochzeit draußen, verfolgt die Tänzer im Drachenkostüm, das aufgestylte Brautpaar, die umhertanzenden Kinder…

Huhn 1: (plötzlich überrascht) Moment mal. Ist das da eine Micki Maus??? (zeigt verdattert auf einen umherwandelnden Menschen im lebensgroßen Micki-Maus-Kostüm)

Huhn 12: Jap.

Huhn 1: Bei der Hochzeit da ist eine Micki Maus!

Huhn 12: (an Huhn 1 gewandt) Jetzt mal ehrlich: wo sind wir?

Huhn 1: Das ist tatsächlich eine Micki Maus!!!

Huhn 12: Wo sind wir?

Huhn 1: Warum haben die auf ihrer Hochzeit denn eine Micki Maus???

Huhn 12: Hey, antworte mir endlich. WO SIND WIR?

Huhn 1: (Wendet endlich ihren Blick von der Hochzeit ab und starrt Huhn 12 verwirrt an. Dann dämmert es ihr langsam, dass die Antwort auf Huhn 12’s Frage auch die Antwort auf ihre eigene bedeutet. ) (murmelt einsichtig)

… in China.

Hühnergeschichten XV – „Fuck die erste“

12. Oktober 2010

Huhn 1 und Huhn 12 sitzen mit ihren neuen Wollschals bei einer Tasse Rosentee zusammen und unterhalten sich über Zipperleins.

Huhn 12: There was this one night when I woke up with a sore throat and it just hurt so much that I had to do something. I don’t have any throat medicine here so I thought maybe my mouthwash would disinfect whatever is going wrong in there. So I got up, still half asleep,  stumbled to the bathroom and fumbled for the mouthwash. While I was gurgling I reminded myself to spit it out after I’m done.  But… you know what’s next: I was so tired and exhausted that I really swallowed that damn stuff.

And then I thought FUCK – and went back to bed.

Hühnergeschichten XIV

3. August 2010

Huhn 1, Huhn 8, Huhn 11 und Gockel 3 lassen den Cocktailabend mit einem nächtlichen Waldspaziergang ausklingen. Es ist stockdunkel; nur das Licht der Taschenlampe erhellt ein wenig den kieseligen Weg, der vor den vieren liegt, und den dichtbebaumten Wald, der sie umgibt und drohend auf sie herabblickt.

Huhn 8: Oh, das ist echt gruselig!

Huhn 11: Finde ich auch.

Huhn 8: Wollen wir nicht lieber umkehren? Ich will nicht, dass wir uns verlaufen.

Huhn 1, 8 & 11, Gockel 3: (gehen weiter)

Huhn 1: Es ist hier echt ein bisschen creepy. Aber immerhin haben wir dann was Cooles zu erzählen, wenn die anderen nach Hause kommen. … Wo ist nun eigentlich dieser Friedhof?

Huhn 8: Gleich hier links. Guck! Hinter dem Zaun. Da will ich jetzt aber nicht drauf.

Huhn 11 & 1: (schauen auf den von Finsterkeit verhüllten Friedhof) Ich auch nicht.

Huhn 8: Und nun? Denselben Weg wieder zurück oder weiter? Irgendwann müssten wir dann auf die Straße kommen, aber es ist noch ein kleines Stück.

Gockel 3: (stapft todesmutig voran) Weiter!

Huhn 1, 8 & 11: (haken sich schutzsuchend einander unter und gehen ein wenig verängstigt hinter Gockel 3 her)

Huhn 8: Echt krass, wie ausgestorben es hier nachts ist.

Gockel 3: Aber da ist doch so ein Typ hinter euch!

Huhn 1, 8 & 11: (drehen sich erschrocken um… und starren den menschenleeren Weg hinunter, den sie eben gegangen sind)

Huhn 8: Sehr witzig! Das kann ich jetzt überhaupt nicht leiden.

Huhn 1: Ich muss mal.

Huhn 11: Geh doch.

Huhn 1: Nee, ich streif jetzt hier bestimmt nicht allein durch den Wald. Da verlauf ich mich nachher noch und muss allein bis zum Morgengrauen ausharren, bis mich einer findet.

Huhn 8: Passt auf den Weg auf, hier sind so viele Wurzeln und Kieselsteine. (hält verkrampft die Taschenlampe fest) Oh nein, was ist denn jetzt? (das Licht der Taschenlampe flackert und wird schwächer. Schließlich erlischt es vollständig) Na klasse, jetzt sehen wir gar nichts mehr.

Huhn 1: Ich guck einfach auf Gockels Hemd vor mir, das ist so hell und leuchtet uns den Weg.

Huhn 11: Was machen wir eigentlich, wenn er jetzt über eine Wurzel stolpert und sich ein Bein bricht?

Huhn 1: Arzt rufen?

Huhn 8: Geht bestimmt nicht. Wir haben hier sicher keinen Empfang. … Im Film ist das jedenfalls immer so.

Huhn 1: Im Film hätte uns jetzt auch schon längst irgendsoein mutierter Hinterwäldler angesprungen und in sein Versteck gezerrt.

Gockel 3: Frag doch mal den Typen hinter euch, ob der das machen will.

Huhn 8: (dreht sich erschrocken um und sieht – wieder einmal niemanden) … Mann, erschreck mich doch nicht so…

Huhn 11: Wenn Gockel sich ein Bein bricht, muss einer bei ihm bleiben und die anderen beiden gehen Hilfe holen.

Huhn 1: Ich würd bleiben. Ich muss aber dringend mal wohin…

Huhn 8: Ich hoffe ja, dass wir endlich mal diese Straße finden.

Gockel 3: Ich dachte, du kennst den Weg.

Huhn 8: Ich kenn ihn ja, ich erkenn ihn nur nicht. (schüttelt frustriert ihre Taschenlampe) Die Richtung stimmt jedenfalls. Wie weit es wohl noch bis zur Straße ist?

Gockel 3: Noch 160 Meter.

Huhn 8: Hä? Woher weißte das denn jetzt so genau?

Gockel 3: (dreht sich zu den anderen um, hält sein I-Ph*one hoch und grinst)
.
Ich hab GPS.


Hühnergeschichten XIII

7. Juni 2010

Huhn 1, Huhn 5 und Huhn 10 sitzen zusammen in einem völlig überhitzten Restaurant mit klebrigen Ledersesseln und besprechen Zukunftsvisionen und extravagante Lebensvorstellungen.

Huhn 1: So, jetzt aber zu dir (sie schaut Huhn 5 an) Was hat sich Neues, Spannendes in deinem Leben ergeben. Erzähl mal!

Huhn 5: (ohne nachzudenken) Naja, weißt du, neulich nach dem Konzert, der Sänger und ich…

Huhn 10: Oh wow!

Huhn 5: Ja. Der Drummer war aber ziemlich sauer…

Huhn 1: Steht der auch auf den Sänger?

Huhn 5: Nee, aber auf den Bassisten.

Huhn 10: Und?

Huhn 5: Na, mit dem hab ich vor dem Konzert…

Huhn 1: Ach, dann musstest du ja nur die Zeit während des Konzerts überbrücken.

Huhn 5: Nee, da hatte ich ja den Drummer.

Huhn 10: Und jetzt? Schwanger?

Huhn 5: Jap.

Huhn 1: Und wer ist jetzt der Vater?

Huhn 5: Na, der Manager!

Hühnergeschichten XII

3. Februar 2010

Huhn 1, 3 und 6 sitzen bei ihrem Lieblings-Japaner über Tekka Maki und in Sojasoße getränkten Ingwerstückchen und diskutieren die üblichen Altweiberprobleme.

Huhn 6: (schaut auf ihre Fingernägel) Ich glaube, ich werde mir gleich in der Apotheke solchen Nagellack holen, der eklig schmeckt, damit ich mir das Kauen endlich mal abgewöhne. (wedelt mit ihren Nägeln vor den Gesichtern der anderen Hühner rum)

Huhn 3: Das ist doch ein gute Idee. Mach das.

Huhn 1: Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Aber ja, das hilft bestimmt.

Huhn 1, 3 und 6 pieksen zufrieden in ihrer Vorspeise herum.

Huhn 3: Ich glaube, ich nehme diesmal die Muscheln.

Huhn 1: Apropos Apotheke; ich hab da so ein neues Schmerzmittelrezept: Tropfen! Wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Magenschonend und – tataa – wirksam, wie ich eben feststelle. Hab sie vor einer halben Stunde im Unterricht genommen und – puff – alles gut!

Huhn 6: Wow, kann ich mir mal eben den Namen abschreiben, ich will die auch.

Huhn 1: Bin mir aber nicht sicher, ob es die rezeptfrei gibt…

Huhn 3: Oh ja, ich nehme jetzt einfach mal die Muscheln.

Huhn 1, 3 und 6 bestellen zwischendurch ihr Essen (Huhn 3 nimmt das Gericht mit den Muscheln).

Huhn 1: Ist der dann eigentlich auch so resistent, dass der noch bestehen bleibt, wenn man ’ne ganze Weile dran rumlutscht?

Huhn 3 und Huhn 6 starren wortlos Huhn 1 an.

Huhn 1: Wat’n?

Huhn 6: (sichtlich nach Antworten ringend) Oh mein Gott, wovon sprichst du???

Huhn 1: Hä? Na von dem Nagellack! Was dachtest du denn? … Oh…

Huhn 6: Ach!!! Ja.. äh ja… äh… wie war die Frage?

Hühnergeschichten X

7. Oktober 2009

Benjamin_BluemchenHuhn X (möchte unerkannt bleiben):
„Liebe Anj, bitte veröffentliche das doch mal auf deinem Blog, ich möchte nämlich folgende These ins Plenum stellen: Benjamin B. ist pädophil! Das ist doch komisch: ein großer, erwachsener, aber irgendwie naiver Elefant (der auch noch sprechen kann!) ist auf seltsame Weise mit einem kleinen Jungen befreundet. Und dann heißt es im Titellied auch noch Benjamin B., wir wollen mit dir gehn! Also nein! Ich weiß schon, warum ich mich als Kind vor ihm gegruselt habe.“

Hühnergeschichten IX

16. August 2009

lollipopsHuhn 1, Huhn 3 und Huhn 6 sitzen, Erdbeeren und Kekse mümmelnd und „Drag me to hell“ erwartend, im Kinosaal und starren auf die noch unbelebte, aber dafür seltsam pink-lachs-orange-rot-
beleuchtete Leinwand.

Huhn 3: Hm, diese Farbe sieht aus wie der Uterus einer Frau von innen. … Doch, ehrlich! Ich weiß das noch!

Hühnergeschichten VIII

3. August 2009

Huhn 1 und Huhn 3 schlendern gemütlich auf den Stadtbahnhof zu und beschwatzen angeregt Neuigkeiten aus der Drogereiartikelei.

Huhn 1: Ich hab letztens in einer dieser Girlie-Zeitschriften eine interessante Werbung entdeckt. Da gibt’s jetzt dieses neue Shampoo – sauteuer! Aber ich muss das unbedingt haben.

Huhn 3: Versteh ich. Manchmal muss man Prioritäten setzen. Hoffentlich hält es, was es verspricht.

Aus den Augenwinkeln nehmen sie plötzlich eine verdächtige Bewegung wahr. Oh nein! Sie befinden sich in der gefährlichen Zone am Bahnhofseingang, wo engagierte Promoter Rettet-Chinas-Pandas!-, Hilfe-für-Jesus- und süddeutsche Zeitungsabos  verhökern wollen.  Und einer von ihnen deuert nun direkt auf unsere Hühner zu, in Angriffshaltung, jeden Moment bereit, die beiden mit überzeugenden Argumenten und viel Körpereinsatz daran zu hindern, ihre S-Bahn zu erwischen. Er holt tief Luft, setzt an…

Huhn 3: (lautstark) And THEN he said to me…

Huhn 1: (beinahe gleichzeitig) That’s INCREDIBLE! Well, you know…

Der Angreifer schlägt vor den Hühnern augenblicklich einen perfekten 90-Grad-Haken und verschwindet verängstigt hinter seinen Stand.

Huhn 1: (leiser) Das war ja leicht. Und ich dachte schon, wir müssten uns auf Chinesisch unterhalten.

Huhn 3: (grinst) Nö. Das klappt auch so immer.

Hühnergeschichten VII

23. Juli 2009

Ein ganz gewöhnlicher Abend. Huhn 1, Huhn 9 und Gockel 2 lümmeln sich auf einer Couch und ziehen sich gepflegt einen alten Horrorschinken rein.

Huhn 1: (fängt an, am Ellenbogen von Gockel 2 zu zupfen) Das lustige ist, dass man die Haut brutal langziehen kann, ohne dass das wehtut.

Gockel 2: Aua!

Gockel 2: (schmatzt rum, um Huhn 1 auf die Nerven zu gehen)

Huhn 1: (wirft Gockel 2 eine Packung Schokodinger zu) Mach mal auf.

Gockel 2: (grinst) Ich reiß doch immer gern was auf.

Huhn 1: Ja, aber nur alter Schachteln.

Huhn 1: (an Gockel 2 gewandt) Marshmallow?

Gockel 2: Näää, mag ich nicht so.

Huhn 1: (hält Gockel 2 einen angebissenen Marshmallow vor die Nase) Hmmmm, leckerleckerlecker!

Gockel 2: Nääääääääääääääääääääääääää!

Huhn 9: (entnervt) Mann! Selbst wenn man dabei ist, kann man euch zwei nicht allein lassen!

Hühnergeschichten VI

14. Juni 2009

Huhn 1, 3 und 6 sitzen zu dritt über zwei Stücken Kuchen (Rhababer und Himbeer-Sahne) und diskutieren wichtige Neuerungen in ihrem Leben.

Huhn 3: Ist euch was an mir aufgefallen? (blickt stolz in die Runde)

Huhn1: (aufrichtig) Nö.

Huhn 6: (rät) Hast du vielleicht was mit deinen Haaren gemacht?

Huhn 3: Ja!!!

Huhn 1: (grübelt: Hm… das darf doch nicht wahr sein; normalerweise bin ich doch diejenige, der solche Veränderungen als erste auffallen. Was hat sie denn bloß mit ihren Haaren gemacht? Abgeschnitten??? Nee, die sind eigentlich noch genauso lang wie vorher. Vielleicht nur irgendwie gestuft? Hm, sieht nicht danach aus. Oder gefärbt? Naja, sie wirken etwas heller, aber das könnte auch das Licht hier sein. Strähnchen? Ich seh keine Strähnchen? Also nicht geschnitten, gestuft, gefärbt oder gesträhnt. Ich komm nicht drauf.) Ich komm nicht drauf.

Huhn 3: Ich hab eine neue Haarkur benutzt und sie dann anders geföhnt.

Huhn1: Aaaaaaah!!!!! (verzeiht sich selbst, dass sie darauf nicht von allein gekommen ist.)