Archive for the ‘Unglaublich’ Category

Partnerlook

20. Mai 2010

Schmatzend knutschen, sich schnulzigverliebte Blicke zuwerfen, Händchen schwenkend halten oder in die Potasche des anderen stecken, laut „Aber Pupsi! Wozu musst du dich denn mit deinen Freunden treffen, du hast doch mich!“ rufen…

…ja, es gibt viele Wege, um der Öffentlichkeit eindeutig zu präsentieren, dass man zusammen gehört, ein Pärchen ist, ein Yin und Yang, das Ein und Alles…

Ganz ohne die genannten Möglichkeiten geht es aber natürlich auch. Da kann man sich bei diesem Wir noch etwas abschauen…

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Du dämliche, alte Bratze

20. Januar 2010

Manche Leute sind so erbärmlich, dass man sie links und rechts am Kopf bei den Haaren packen und festhalten möchte, um ihnen seine grottige Meinung über sie ins verständnislose Gesicht zu blaffen. Da will man vergessen, wo man seit drei Jahren wohnt, und den alten Ghetto-Slang wieder rauskramen – den von der üblen, niveaulosen Sorte. Ungefähr wie das Zitat aus dem Dokufilm Prinzessinnenbad „Ich komm‘ aus Kreuzberg, du Mu*schi!“, aber das wäre ja unhöflich, denn ich komm‘ ja gar nicht aus Kreuzberg.

Schon beim ersten Schritt aus der Tür höre ich sie. Ein kleines Mädchen weint laut nach seinem Papa. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – hier gibt es viele Kinder und somit auch viel Geschrei, an das man sich längst gewöhnt hat. Auf dem Weg zu meiner Haltestelle gehe ich an der Kleinen vorbei, die allein auf dem Gehweg steht und ruft. Erst, als ich ein paar Schritte an ihr vorbei bin, fällt mir auf, dass die Situation aus irgendeinem Grund doch nicht so gewöhnlich ist, wie sie mir zunächst vorkam. Ich drehe mich um und da steht sie immer noch. Links von ihr, 20, 30 Meter entfernt in einem Park steht eine Oma und guckt. Rechts, auf der anderen Straßenseite gehen zwei Jungs vorbei und schauen her. Aber sonst ist niemand da.
Okay, hier stimmt was nicht. Ich gehe zurück, verpasse gedanklich schon meine Straßenbahn, in die ich aber nur mit Magenschmerzen eingestiegen wäre, wenn ich nicht wenigstens kurz nachgefragt hätte. Und das tue ich jetzt und spreche die Kleine an. Sie erinnert mich an mich, als ich klein war, denn sie dreht sich verschüchtert weg und ist auf einmal ganz still. Ich hocke mich hin, versuche, sie anzusehen. „Bist du allein hier?“ „Suchst du deine Eltern?“ „Weißt du, wo du wohnst?“ Große, nassgeweinte Kulleraugen und ein „Meine Mama!“ sind die Antwort. Schitt, denke ich, was nun? Weitere Versuche, ihr zu entlocken, wo sie denn wohnt und wo ihre Eltern zuletzt gewesen sind, bringen nichts.
Die arme. Sie wird Angst haben, wenn gleich die Polizei kommt, die ich jetzt rufen werde, damit sie sich der Kleinen annehmen, denn ich weiß nicht mehr weiter.
Ich drehe mich um, denn die Oma steht immer noch im Park und guckt. Einen Versuch ist es wert, auch wenn ich mir keine großen Hoffnungen mache, dass sie etwas weiß. „Wissen Sie zufällig, zu wem das Mädchen hier gehört?“, rufe ich ihr zu.

„Ja. Die gehört zu mir.“

Wie vom Donner gerührt starre ich die Alte an. Was?

„Ja… und warum steht die Kleine dann hier und Sie stehen dort?“

„Na, die soll herkommen.“

Vorbei. Aus. Ich kann nicht mehr. Mit meiner erkälteten Stimmte schleudere ich ihr im zickigsten Tonfall, den ich zustande bekomme und den ich eigentlich hasse wie die Pest, entgegen, was das ganze denn soll und warum sie mich nicht aufgeklärt hat, da ich mir doch offensichtlich totale Gedanken gemacht habe. Ich fühle mich wie der letzte Trottel.

„Tut mir leid“, sagt sie ein bisschen kleinlaut, genervt.

In mir brodelt’s und ich kann mich geradeso beherrschen, um nicht noch weitere Prinzessinnenflüche von mir zu geben, denn neben mir steht immer noch Jemand, den ich nicht erschrecken möchte. Ich mache auf dem Absatz kehrt und stapfe wütend Richtung Haltestelle. Mir kommt ein Mann mit einem klappbaren Kinderwagen entgegen. Wo war der bitte die ganze Zeit? Wieso lässt die Alte ihre Enkelin allein auf dem Gehweg zurück, wo doch nebenan eine befahrene Straße ist, mit Tram und Autos? Und warum geht sie nicht dazwischen, als sie merkt, dass sich jemand Sorgen macht, obwohl sie die Situation doch ganz einfach hätte aufklären können? Und warum überhaupt lässt sie es zu, dass die Kleine minutenlang mit einer Fremden spricht? Was um alles in der Welt braucht es, um ein dermaßen unterirdisches Niveau an Denkleistung zu erreichen?

Und wieso bin ich am Ende die Dumme?

Die Bahn kommt mit mächtiger Verspätung, sodass ich sie noch kriege. Ich hasse das, aber gerade ist es mir egal.

Ach übrigens…

9. Februar 2009

Pups ist ein Ortsteil der Gemeinde Feldkirchen-Westerham in Oberbayern.

In Pups leben 7 Menschen (Stand 2004. Vielleicht ist es ja auch inzwischen zur Millionenmetropole geworden.)

Pups liegt nördlich der Gemeinde Unterlaus.

(man sollte öfter solche Worte googeln…)

Deutsches Inuktitut

4. Februar 2009

Manchmal ist es doch üüübelst witzig, von wo wir uns Begriffe gemopst haben, um den deutschen Wortschatz aufzustocken. Fremdwörter, Lehnwörter und so Zeugs kommen von überall her, aus dem Englischen, Französischen…

Aber woher kommen eigentlich „Anorak“ oder „Kajak“?
Aus dem Grönländischen! Ist das nicht klasse? Unsere Sprache ist fantasielos, aber multikulturell. Da wurden eben mal „annoraaq“ und „qajak“ aus einer Sprache entlehnt, die heute nur von rund 50.000 Muttersprachlern gesprochen wird und die eigentlich gar nicht so simpel „Grönländisch“ heißt, sondern wirklich „Kalaallisut“ oder auch „Grönländisch Inuktitut“.

So. Und wer errät jetzt, was die deutsche Sprache aus „illu“ und „pakkarsuak“ gemacht hat?

Füllwörter

20. Januar 2009

Da fragt man doch nicht mehr, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist.

glas

Sondern nur noch, wie voll so ein Glas eigentlich werden kann.

Das letzte mal klug gewesen

8. Januar 2009

Da sitz ich einmal ganz parasitär in einem Linguistikkurs (ich war auf der Suche nach einem warmen Raum, wo es so langweilig sein würde, dass ich gezwungen wäre zu lernen, um nicht vor allen anderen einzuschlafen) und schaue mir die letzten Chinesischlektionen an, während ein Student einen Vortrag hält (irgendwas mit Syntax und so).
Plötzlich muss ich aufhorchen, als ein Kommilitone sich meldet und sagt: „Das war ja im Portugiesischen früher auch so. Das hieß das [er zitiert „ich gehe, du gehst, er/sie/es geht…“ in einer mir unbekannten Sprache]. Dann wurde es zu […], bis […] und […] verschmolzen und man heute eben einfach […] sagt.“
Hat der amerikanische Austauschstudent in einem deutschsprachigen Linguistikkurs gerade Alt-Portugiesisch gesprochen?!?

Ach ja… damals in der ersten Klasse der Grundschule… da hab auch ich mich noch intelligent gefühlt.

The Magdalene-Sisters

25. September 2008

Es ist krass, was man manchmal alles so lernt, wenn man durch Zufall auf einen bestimmten Film stößt, von dem man zuvor noch nichts gehört hat. Man lernt zum Beispiel etwas über das Land, in dem man vor ein paar Wochen Urlaub gemacht hat und das man doch so unbeschreiblich schön findet. Da gab es diese Magdalenen-Heime, die im 20. Jahrhundert von der katholischen Kirche übernommen wurden und in denen „gefallene Mädchen“ ihre Sünden durch harte Arbeit, Stillschweigen und Prügel vebüßen mussten. Solche Mädchen, die es gewagt hatten, im konservativen und erzkatholischen Irland ein uneheliches Kind zur Welt bringen, solche, die die Frechheit besaßen, hübsch und aufreizend zu sein oder jene, die sich vergewaltigen ließen. Diese Mädchen waren dann dort, im Magdalenen-Heim, schufteten Tag für Tag, erhielten keinen Lohn und erst Recht keinen Besuch von „draußen“ und wussten nicht, ob sie jemals wieder „entlassen“ werden würden.

Das letzte dieser Heime wurde 1996 geschlossen.

Puente

5. August 2008

„Manchmal bin ich doch echt der totale Vollhorst!“, denke ich mir, ignoriere das sonst so mitreißende Lied, das von den Kopfhörern in mein Bewusstsein zu gelangen versucht, und gehe resigniert nach Hause.

Was bisher geschah:

„… did I make it that easy to walk right in and out of my life…?“, summe ich gedanklich mit, während ich – die Tasche geschultert und die Arme vor der Brust verschränkt – die Treppe aus dem U-Bahntunnel hinauf gehe und meinen Heimweg antrete.

Ohne auf etwas Bestimmtes zu achten, schaue ich – noch immer auf das Lied konzentriert – in der Gegend rum. Rechts ein Zigarettenverkäufer, von links kommt mir ein Fahrradfahrer entgegen, vorn der Ramschladen, der Fahrradfahrer hat braune Dreadlocks, an mir gehen zwei wild gestikulierende Asiatinnen vorbei, er sieht mich an.

„Ist das nicht…?“ schießt es mir plötzlich durch den Kopf. Das Lied ist vergessen, ich sehe nach links, er ist jetzt fast an mir vorbei. Unsere Blicke treffen sich und es dauert den Bruchteil einer Sekunde, bis ich erkenne „Das ist er doch!“ Er sieht, dass ich ihn sehe, ich senke schnell wieder den Blick, lasse mir keine Reaktion anmerken, gehe gleichen Tempos weiter. „Das ist er! Wie cool! Wie lange habe ich mich schon gefragt, wie er jetzt wohl aussieht und ob ich ihn mal wieder treffen würde. Die meisten Menschen kannst du übers Internet ausfindig machen, nur er scheint sich die letzten Jahre davor bewahrt zu haben. Und jetzt begegnet er mir zufällig auf dem Nachhauseweg zu einer Zeit, zu der ich sonst nie unterwegs bin.“

Ich drehe mich um, er ist schon an der nächsten Kreuzung angelangt und biegt in eine Straße ein.

Vorbei.

Und in meinem Kopf statt der rothaarigen Schmusesängerin ein Szenario, wie es hätte anders laufen können.

Anja Strilek Anja Strilek Anja Strilek Anja Strilek

Anj- versus Manni-Monster

10. Juli 2008

Wenn auf dem Weg zur Uni bin und im Stadtzentrum aus der S-Bahn steige, klaustrophobisch über die Menschenmenge linse und mir ellenbogenherausfahrend meinen Weg zur Rolltreppe bahne, bin ich nicht mehr ich selbst. Dann verschwindet für einen Moment das sonnige, liebe Gemüt aus meinem Gesicht und macht einem kleinen Monster Platz. Dann fange ich an, die Leute zu beschimpfen, mich darüber aufzuregen, dass die Touristen immer genau einen Schritt aus der vollen Bahn tun, dann stehen bleiben und sich umsehen, wo sie denn hinmüssten. Dass Wandertagsgruppen voller Halbstarker auf dem Bahnsteig einen Kreis bilden, um darüber zu diskutieren, ob bei BurgerKing oder McDonald’s ge-zweites-frühstückt wird. Dass die Leute auf dem Weg zur Treppe grundsätzlich laaaangsam laufen und auch links stehen, dabei müssten die doch spätestens seit meinem ersten Englandaufenthalt wissen, dass das ein No-Go ist. (Im wahrsten Sinne des Wortes).

Ja, und dann schimpfe ich, wettere und pöble, mache Gebrauch von meinem Wortschatz, den ich am Stadtrand gelernt habe und werde richtig unfein. Gedanklich. Natürlich. Ich will es schließlich lebend zur Uni schaffen.

Heute sah ich einen großen Mann, leicht ergraut und mit feinem Anzug, das Rollköfferchen hinter sich herziehend, wie er am Bahnsteig einen etwa zehnjährigen Jungen aus dem Weg schubst.

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Und ich dachte, ICH wäre fies.

Zwischen gepusht und gerippt…

15. Mai 2008

Als ich heute pessimistischen Mutes in der Unterwäscheabteilung eines renomierten Shoppingshops stand – um mich herum bunt-bespitzte Seiden-Baumwoll-Schlüppi-BH-Kombinationen – kam ich nicht umhin ein Mädchen zu belauschen, das gerade lauthals seiner Freundin die Sorgen des Tages unterbreitete.

„Immer machen die so fette Polster in die BHs! Es gibt nur noch Push-ups! Und was ist mit Frauen wie mir? Ich hab schon so riesen Dinger. Wenn ich sowas noch trage, habe ich Monster-Oschis! Ey! Aber daran denken die ja nicht…!“

Wer auch immer „die“ sind. „Die“ – die kleinen bösen Körbchengnome, mit Wattebausch und Nadel bestückt, die sich heimlich nachts in Dessousläden schleichen und dicke Knubbel in die BHs nähen. Aus Rache für großzügig bestückte Damen, auf dass sie noch mehr leiden müssen, und als Forderung an die weniger Propperen, auf dass sie gefälligst auch mal ein dickes Dekolleté zeigen.

‚Naja, man kann sich auch was einbilden‘, dachte ich, während ich mich nach dem zeternden Mädchen umdrehte und sie heimlich von ihrer ziemlich schlanken Rückseite mustere. Da ich der Sache aber genau auf den Grund gehen wollte (man ist ja neugierig und der gebrüllte Monolog hat mich ja quasi dazu gezwungen!), tänzelte ich unauffällig um die beiden Girlies herum, um die eine mit den Möchtegernoschis von vorn zu sehen. Mit vor Anstrengung verzerrtem Gesicht schielte ich also versteckt zwischen Omahöschen und gestreiften Schlafanzugpanties um ein Regal und erhaschte einen Blick auf Mama Oschis Vorderseite.

Okay.

Sie hatte recht.

Diese fiesen, fiesen Körbchengnome!!!