Archive for the ‘Uni’ Category

Demo-nisierung

17. Juni 2009

Der Bus kämpft sich im langsamer werdenden Stop-and-Go auf einer Ausweichroute zu seiner Endhaltestelle. Ob er diese erreichen wird, wissen die Fahrgäste nicht, denn sie steigen einer nach dem anderen einfach zwischen den Haltestellen aus, um auf U-Bahnen umzusatteln. Oder um noch mitzumachen.

Ein Mädchen läuft hastigen Schrittes – sie ist ein bisschen zu spät dran – Richtung Unigebäude, biegt um eine Straßenecke und wird auf einmal mitgezogen. Von einem Strom aus bunten Haaren, großen Plakaten und Aufrufechos. Sie wird mitlaufen, denn da kommt so schnell erst einmal nicht mehr raus – stellt sie belusitgt fest.

Für selbstbestimmtes Lernen und freien Zugang zur Bildung.
Für fortschrittliche und emanzipatorische Politik.
Für alle.

Es ist Bildungsstreik.

Drei StudentInnen gehen am frühen Abend ins Hauptgebäude ihrer Uni. Sie reden über ihre Präsentation für den Kurs nächste Woche, überlegen, wie man noch ein paar Gags einstreuen könnte. Und halten plötzlich inne. Da hat wohl jemand zu Recht Vorsorge getroffen. Denn wo das Foyer sonst immer von wissenschaftlichen Ausstellungen verziert wird, sind jetzt die Überbleibsel eines Schlachtfeldes erkennenbar. Und überall jene Utensilien, die man sonst nur von hinten sieht.

Durch Zerstörung kann man etwas verbessern.

Ja???

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MeckMeck

12. Februar 2009

Ich hab Hunger.
Muss noch packen.
Müüüüüüüüüde.
Wer räumt jetzt hier auf?
Ich hab ’ne 1,0 in Chinesisch.
Ich hab so raue Hände.
Der Wundernagellack funktioniert nicht.
Ich will E-Mails kriegen!
Meine Schuhe sind undicht.

Ich hab echt nuuur Gründe zu nörgeln. Ey. Aber echt jetzt ey. ^^

Das letzte mal klug gewesen

8. Januar 2009

Da sitz ich einmal ganz parasitär in einem Linguistikkurs (ich war auf der Suche nach einem warmen Raum, wo es so langweilig sein würde, dass ich gezwungen wäre zu lernen, um nicht vor allen anderen einzuschlafen) und schaue mir die letzten Chinesischlektionen an, während ein Student einen Vortrag hält (irgendwas mit Syntax und so).
Plötzlich muss ich aufhorchen, als ein Kommilitone sich meldet und sagt: „Das war ja im Portugiesischen früher auch so. Das hieß das [er zitiert „ich gehe, du gehst, er/sie/es geht…“ in einer mir unbekannten Sprache]. Dann wurde es zu […], bis […] und […] verschmolzen und man heute eben einfach […] sagt.“
Hat der amerikanische Austauschstudent in einem deutschsprachigen Linguistikkurs gerade Alt-Portugiesisch gesprochen?!?

Ach ja… damals in der ersten Klasse der Grundschule… da hab auch ich mich noch intelligent gefühlt.

Philoso-Fisch

2. Dezember 2008

Neulich im Kurs: „Ich weiß nicht, ob es sowas wie unbekümmertes Lesen überhaupt geben kann. Denn ich, die das liest, bin ja auch eine Person!!!“ – (hab den Kurs geschmissen)

Ein andere Weisheit von einer klugen Kommilitonin: „…das ist etwas sehr lineares, aber auch fragmentarisches, vor allem aber hybrides…“ – (ich hatte schon da keine Ahnung, worum es eigentlich ging)

Manchmal fühl ich mich cooler, wenn ich nichts verstehe.

Dazugelernt

20. November 2008

Wenn man sich in einem Haus der Weisheit aufhält, wo über philosophische, soziologische und kulturell relevante Theme diskutiert wird, dann umgibt einen die mit Klugheit vollgepumpte Atmosphäre auch dann noch, wenn man sich zum „frisch machen“ aufs Örtchen verzieht. Tür um Tür schwarze Eddingweisheiten. Was lernt man da? Na zum Beispiel, dass man das englische Wörtchen Girls auch einfach GRRRLS schreiben kann und phonetisch dasselbe dabei herauskommt. Oder aber man sieht sich mit einem Zitat konfrontiert, dass doch keinen passenderen Ort zur Veröffentlichung hätte finden können als eine staatlich anerkannte Universität. „Wer die Hände in den Schoß legt, ist nicht zwangsläufig untätig.“

In diesem Sinne: auch euch einen klugen Tag!

Eselsbrücken

13. November 2008

Chinesisches Zeichen fuer Mama, Mutter in chinesischer Schrift, Zeichen Nummer 1. Heute in Chinesisch:

Bàba heißt Papa. Und Māma eben Mama. Da ist aber die Aussprache etwas anders. Weicher als bei Bàba. Naja – die Mutter ist ja auch weicher.“


Ich weiß ja, wofür der Bildungsetat dieses Jahr alle gemacht wird!

12. November 2008

Oh je. Da kriegt die Seele doch ’nen Knick, wenn man das sieht.

Aus aktuellem Anlass mach ich mir hier mal ein bisschen Luft:
In der Hoffnung, alles sei wieder „okay“, machte ich mich heute abend auf zu einem Unikurs, kam aber gar nicht ins Gebäude, da die Tore zum Innenhof gesperrt waren. ‚Immer noch?‘, dachte ich mir und folgte dem Schild, dass mich nach vorn zum Haupteingang schickte. Da entfuhr mir ein lautloses „Oh Gott!“ und wie festgewachsen konnte ich nicht anders, als minutenlang auf das Chaos zu starren.

Nachdem heute in mehreren deutschen Städten tausende von Schülern für Verbesserungen im Bildungssystem demonstrierten, kam es hier und da zu Ausschreitungen.
In Berlin sah das so aus, dass an die tausend Kids ins Hauptgebäude der Humboldt Universität strömten, eine Ausstellung zerstörten, Türen und Fenster eintraten, Feuerlöscher entleerten, Toilettenpapier auf dem Boden wie Lametta am Weihnachtsbaum verteilten, um… ein Zeichen zu setzen? Hm. Wohl eher, um die Sau raus zu lassen, Party zu machen, sich wichtig zu fühlen.

Um diese Aktion mal kurz zu bewerten, hier ein kleiner Vergleich: Für ein besseres Bildungssystem zu demonstrieren und dabei eine Uni zu verwüsten, ist wohl so, als würde man sich für mehr Bionahrungsmittel stark machen und nebenbei einen Bauernhof in Brand setzen. Total bescheuert eben.

Ihr wollt mehr Geld für Bildung? Da wird wohl nach der Aufräumaktion in der Uni nichts mehr für euch übrig sein.

(mehr Infos bei Spiegel online)

Anj- versus Manni-Monster

10. Juli 2008

Wenn auf dem Weg zur Uni bin und im Stadtzentrum aus der S-Bahn steige, klaustrophobisch über die Menschenmenge linse und mir ellenbogenherausfahrend meinen Weg zur Rolltreppe bahne, bin ich nicht mehr ich selbst. Dann verschwindet für einen Moment das sonnige, liebe Gemüt aus meinem Gesicht und macht einem kleinen Monster Platz. Dann fange ich an, die Leute zu beschimpfen, mich darüber aufzuregen, dass die Touristen immer genau einen Schritt aus der vollen Bahn tun, dann stehen bleiben und sich umsehen, wo sie denn hinmüssten. Dass Wandertagsgruppen voller Halbstarker auf dem Bahnsteig einen Kreis bilden, um darüber zu diskutieren, ob bei BurgerKing oder McDonald’s ge-zweites-frühstückt wird. Dass die Leute auf dem Weg zur Treppe grundsätzlich laaaangsam laufen und auch links stehen, dabei müssten die doch spätestens seit meinem ersten Englandaufenthalt wissen, dass das ein No-Go ist. (Im wahrsten Sinne des Wortes).

Ja, und dann schimpfe ich, wettere und pöble, mache Gebrauch von meinem Wortschatz, den ich am Stadtrand gelernt habe und werde richtig unfein. Gedanklich. Natürlich. Ich will es schließlich lebend zur Uni schaffen.

Heute sah ich einen großen Mann, leicht ergraut und mit feinem Anzug, das Rollköfferchen hinter sich herziehend, wie er am Bahnsteig einen etwa zehnjährigen Jungen aus dem Weg schubst.

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Und ich dachte, ICH wäre fies.

Das Haus, das Verrückte macht

7. Juli 2008

Manchmal erinnert mich das Geschehen in der Uni an einen ganz bestimmten Film… Hm, vielleicht komm ich ja drauf, wenn ich die Situation nachstelle und aus Datenschutzgründen anstelle von „Schein für Grundkurs Sowieso bei Dr. Fragmich“ einfach „Passierschein XY“ sage. Mal schauen, wo ich am Ende lande.

Ich: (braucht Schein A und weiß als kluge Studentin, dass sie dafür Passierschein B und C einreichen muss, um Passierschein E zu bekommen, mit dem sie wiederum Schein A erlangt)

Bürotante 1: (sieht das anders) Also das bringt Ihnen gar nichts, wenn Sie das bei mir einfach abgeben (breitet vor unserer verdutzten Studentin Passierschein B-1, B-2, B-…, B-15 aus) Passierschein B-1,B-2 und B-3 sind unvollständig von Ihren Dozenten ausgefüllt worden. Bitte holen Sie das nach. Und dann füllen Sie bitte Passierschein D aus. Außerdem fehlt Passierschein B-16. Den müssen Sie noch organiseren!

Ich: (schluckt erste verzweifelte Tränchen hinunter und macht sich tapfer auf den Weg… und besorgt bei Bürotante 2, 3, 4 und 5 alle fehlenden Unterlagen)

Büroonkel 1: Hallo.

Ich: Hallo, ich bräuchte hier mal eine Unterschrift auf Passierschein E, es geht um…

Büroonkel 1: Na klar!

Ich: (verlässt verwirrt, aber in Siegerlaune nach zwei Sekunden das Büro des Büroonkels)

Bürotante 6: Hallo.

Ich: Hallo. Ich bräuchte hier mal eine Unterschrift. Büroonkel 1 hat auch schon…

Bürotante 6: Na klar.

Ich: (kann ihr Glück kaum fassen und macht sich nichts Böses ahnend auf den Weg zu ihrem lezten Ziel… glaubt sie jedenfalls…)

Bürotante 7: Hallo.

Ich: Hallo. Ich bräuchte dringend Passierschein A. Dafür wurden Ihnen Passierschein B und C eingereicht und ich hab Passierschein E mitgebracht.

Bürotante 7: Soso. Da müssen aber noch Bürotante 8 und ihre Gefolgsleute drauf unterschreiben. Ich werd das nächste Woche Montag vorbeibringen, dann hab ichs Mittwoch und schicke Ihnen dann Passierschein A zu.

Ich: Aber ich brauche Passierschein A dringend. Die Frist läuft Ende nächster Woche ab…

Bürotante 7: Na, dann schreiben sie mal hier irgendwo Ihre Telefonnummer auf und ich rufe Sie an, wenn Sie Passierschein A abholen können…

Wie wird es enden? Unsere mutige Studentin verlässt am Boden zerstört die 7. Bürotante, dem Schicksal schon beinahe ins Auge blickend, die Stirn sorgenvoll umkräuselt,die Hoffnung zerstört. Wird sie es rechtzeitig schaffen, Passierschein A zu bekommen? Was für Abenteuer warten noch auf sie? Noch ist alles offen…

Ich habe das seltsame Gefühl, dass mich dann und wann meine Irrungen und Wirrungen durch die verschlungenen Gänge und Gebäude des Uni-Campus (oder heißt es: Uni-Campi?) an etwas errinnern… An einen Film, in dem es das „Haus, das Verrückte macht“ gab. Wo war das noch gleich?

…und dann ist schon wieder Montag

5. Mai 2008

… aus dem Bett gequält; in die neuen Pumps geschlüpft; falsch gelächelt im Uniseminar; Sonnenstrahlen eingeatmet; ge-Mensa-mittagt; zwei Engel umarmt; frisch geladenes Handygeld abgesimst; mit dem Herzen im Ausland gewesen; mit dem Kopf im Berufsleben; gelacht im Spanischkurs (diesmal ehrlich); in die S-Bahn gequetscht; in die U-Bahn gematscht; nach Hause gestöckelt; Kaffee …