23. Dezember 2010

Da will man EINMAL
Weihnachtsanrufe aus China tätigen und dann hat skype Verbindungsprobleme. Menno. Nach den ganzen Stromabstellungen, Warmwasserproblemen und schwankender Internetschnelligkeit dachte ich Jammerlappen im ersten Moment natürlich, dass dieses Problem nur mich betrifft und  schlug heut morgen „Warum immer ich?“-denkend die Hände überm Kopf zusammen. Gemeinerweise freute es mich dann doch ein bisschen zu hören, dass das Problem wohl weltweit besteht und egrade niemand mehr teleofnieren kann – ha! Naja… außer diejenigen, die natürlich einen Festnetzanschluss bestitzen und nicht gerade einmal um den Globus quatschen wollen… aber ähm… das sind bestimmt auch immer noch ganz viele.

Deshalb von hier aus: Schöne Weihnachten an euch alle, die ihr im westeuropäischen Schneechaos versinkt. Auf dass ihr alle alle dort ankommt, wo ihr hinwollt (und vor allem mit weniger als drei Tagen Verspätung) – ob zu Bahn, zu Flieger, zu Bus, Auto oder Fuß. Rutscht nicht aus da drüben (mir würde das bestimmt passieren, aber ich habe mich glücklicherweise schon lange vor Weihnachten ins fast niederschlagsfreie, ewig sonnige Qingdao gerettet).

Mit bunten Schnürsenkeln winkend

eure Anj

An den Nerven

19. Dezember 2010

 

Der Strom wird für die nächsten Stunden abgestellt – zupf, zupf
„We had to block your account because you tried to log in from an unknown region.“ – rupf, rupf
Warmes Wasser nur von 18-22 Uhr. Dann entweder in „lau“ oder als „brühdampf“ – zerr, zerr
Alle paar Wochen hat man Glück. Da lädt sich die eigene blog-Seite. – reiß, reiß
Hunger. Bauchweh. Übelkeit. Hunger. Bauchweh. Übelkeit. Hunger. – ziiiiiiiiiiiiiieh

Blick aus dem Flugzeug. Großstadt. Aber leider bist es nicht du: großes B.

Ein Päckchen Heimat, bitte!

9. November 2010

Es ist immer wieder ein bisschen wie Weihnachten: liegen da schon Geschenke unterm Bäumchen? Ist da ein frisch aussehendes Päckchen, eine neu eingetroffene Postkarte, ein noch nicht vom Alter zerfallener Briefumschlag in dem ramschigen Regal voller Post, die zum Teil an Dinosauerier adressiert zu sein schien, da sie bei einer kurzen Berührung zu Staub zerfallen möchte. Immer wieder taucht man ein in diesen Haufen Nachrichten aus aller Welt, atmet den Duft von internationalen Papiersorten, findet eine drei Jahre alte Geburtstagskarte, die ihr Glückwunschkind wohl nie erreicht hat, wirft den halboffenen Umschlag mit dem herauslinsenden Toupet beiseite und staunt immer wieder über die Dinge, die sich manche Leute doch schicken lassen.

Und dann der Moment.
Wenn die italienische Wohnheimgenossin sagt: „Hey, I think there was a postcard for you downstairs!“
Wenn man schon von weitem den Umschlag von daheim erspäht, weil er immer gleich aussieht (viel braunes Packklebeband, fein säuberlich ausgedruckte Adresse und mit Kuli gekrakelter Absender; erscheint regelmäßig ca alle drei Wochen).
Wenn man keuchend vom Powerwalken über den Campus zurück kommt, mit dem Blick den Haufen neuer Pakete streift, an dem einen kleinen hängenbleibt, und dann plötzlich wieder voller Energie in den dritten Stock sprintet, um seine ID zu holen.

Und dann hat man
einen Haufen zusammengewürfelter Sachen, die einem ein Stück zu Hause in die fremden weißen Wände zaubern! Und jetzt das Wort mit D – hoch, gejauchzt, und ganz langgezogen: D A N K E!

So kann man den Tag auch beginnen..

27. Oktober 2010

Morgens so ganz gemütlich im Bettchen liegen bleiben. Wissen, dass man erst mittags zur Arbeit muss. Laptop auf dem Schoß, eingemummelt in einen Haufen Decken. Immer noch zu kalt? Na dann schnell die kleine neugekaufte Elektro-Heizung eingestöpselt. Hm, immer noch ein bisschen zu frostig? Da hilft Wärme von innen. Also Wasserkocher einschalten und schonmal den Grüntee in die Thermoskanne schaufeln.
Moment mal! Sooo kalt war mir dann doch nicht. Feuer, Feuer! Okay, was zuerst? Löschen! Aber womit? Die neue türkise Kuscheldecke? Nee, zu schön! Okay, also erst mal die Schals und Pullover retten, die über dem brennenden Verteilerdosenkabel hängen. Okay, gerettet. Was jetzt? Ach ja, löschen! Womit? Ein Handtuch, jawoll! Aber nicht das hübsche pinke, lieber das kleine braune.
Und jetzt, bereit zur Attacke! Ah nee.. Geht schon von allein aus. Zimmer stinkt. Keine Elektrizität mehr. Rußiger Boden. Rauchschwaden suchen ihren Weg durchs Fenster nach draußen. Es ist kalt. So im Schlafanzug mit nackigen Füßen außerhalb des Bettes, mit einem Handtuch in der Hand, vor Aufregung rasendem Herzen und einem riesigen „S c h e i ß e !“ in Gedanken.

Was für ein gemütlicher Morgen.

Hühnergeschichten XVI

24. Oktober 2010

Huhn 1, Huhn 12 und Huhn 13 stehen in einem Bus und klammern sich krampfhaft an den Haltestangen fest, während sich das einzige öffentliche Verkehrsmittel in ihrer Stadt schwankend und schnaufend seinen Weg durch die vielbefahrene Straße bahnt.  Alle drei Hühner haben ihren Blick durch die Seitenfenster nach draußen gerichtet, um auch ja nicht die richtige Haltestelle zu verpassen. Plötzlich stoppt der Bus und auch die Autos vor ihnen bewegen sich keinen Zentimeter mehr.

Huhn 12: Na toll. Das passiert natürlich, wenn man mal eben kurz eine kleine tragbare Heizung und eine Kuscheldecke kaufen will.

Huhn 13: Hm, ein Stau. Mich würde mal interessieren, was da vorn los ist.

Huhn 1: Wahrscheinlich nur eine Kreuzung, wo es nicht voran geht. Heute sind in der ganzen Stadt die Ampeln ausgefallen…

Huhn 12: Sollen wir einfach aussteigen und laufen?

Huhn 1: Weißt du denn, wie weit es noch ist?

Huhn 12: Nee.

Huhn 1: Also Taxi? Weißt du, wie man den Namen des Supermarkts auf chinesisch sagt?

Huhn 12: Nee.

Huhn 1: Hm…

Alle drei Hühner blicken verstohlen nach draußen und beobachten mit wachsendem Interesse die Hochzeit, die gerade vor dem Hotel gegenüber stattfindet. Konfetti fliegt und ein kleines Feuerwerk sprüht bunte Funken.

Huhn 12: (zeigt überrascht nach draußen) Was macht denn das Auto da?

Die Hühner sehen mit großen Augen mit an, wie ein Auto einfach auf dem Bürgersteig vorbeifährt, weil auf der Straße kein Vorankommen mehr ist.

Huhn 13: Darf man das hier?

Huhn 1 und Huhn 12: (zucken resigniert mit den Schultern, als könne sie hier nichts mehr überraschen)

Huhn 1 widmet ihre Aufmerksamkeit wieder der Hochzeit draußen, verfolgt die Tänzer im Drachenkostüm, das aufgestylte Brautpaar, die umhertanzenden Kinder…

Huhn 1: (plötzlich überrascht) Moment mal. Ist das da eine Micki Maus??? (zeigt verdattert auf einen umherwandelnden Menschen im lebensgroßen Micki-Maus-Kostüm)

Huhn 12: Jap.

Huhn 1: Bei der Hochzeit da ist eine Micki Maus!

Huhn 12: (an Huhn 1 gewandt) Jetzt mal ehrlich: wo sind wir?

Huhn 1: Das ist tatsächlich eine Micki Maus!!!

Huhn 12: Wo sind wir?

Huhn 1: Warum haben die auf ihrer Hochzeit denn eine Micki Maus???

Huhn 12: Hey, antworte mir endlich. WO SIND WIR?

Huhn 1: (Wendet endlich ihren Blick von der Hochzeit ab und starrt Huhn 12 verwirrt an. Dann dämmert es ihr langsam, dass die Antwort auf Huhn 12’s Frage auch die Antwort auf ihre eigene bedeutet. ) (murmelt einsichtig)

… in China.

Ekelessen III

21. Oktober 2010

Hier gibt es Chips in allen – und wenn ich „allen“ sage, meine ich „allen“ – Geschmacksrichtungen. Gurke, jung italienische Tomate, altes, spanisches Rindfleisch, Limone vom Strauch, Baum, Ommas Gemüsegarten… ich habs ja gesagt: alles (also eigentlich hab ich „allen“ gesagt, aber in Anbetracht grammatikalischer Korrektheit musste das in vorhergehendem Satz abgewandelt werden)! Ob das alles schmeckt ist die andere Frage. Die meisten Sorten schmecken nämlich scheußlich. Bis auf diese eine. Aus gegebenem Anlass möchte ich deswegen den altbewährten Schokoladensatz zugusten meines Lieblingsobsts abändern:

Alles ist gut, wenn es aus …

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So ist das jetzt

19. Oktober 2010

Aus dem Badmülleimer riecht es nach warmfeuchten Grünteeblättern; die mit Hand gewaschene Kapuzenjacke mit Pandabärcomicapplikationen dröppelt rhythmisch auf den Fliesenboden, der meine imaginäre Duschwanne ist. Durch das geöffnete Doppelfenster ertönen Baulärm, Motorengeräusche und das Miauen herumtigernde Straßenkätzchen. In einer gelben Plasteschale auf dem Fernseher mit den 5 Kanälen liegen drei wie puterpinke Handgranaten aussehende Drachenfrüchte, die sich neidvoll von dem dahinschrumpelnden Mini-Salatgürkchen betrachten lassen. Am Bettfußende hängt eine gemopste Deutschlandkarte mit den Städtenamen auf chinesisch – am Bettkopfende reihen sich die mitgebrachten Fotos aus glücklichen Berlin- und Londontagen. Im Schrank auf dem riesigen Koffer stapeln sich die Mini-Mitbringsel für daheimgebliebene Lieblingsmenschen und die Handtücher auf der Wäscheleine über dem unberührten, zweiten Bett trocknen einfach nicht.

Elfchen-Stöckchen

14. Oktober 2010

Mal wieder Lust auf ein Stöckchen? Ich weiß gar nicht mehr, wann es das letzte hier gab, scheint mir aber eine Ewigkeit herzusein. Deswegen setze ich mal wieder ein neues in Umlauf.
Der heutige Unterricht hat mich zu ein bisschen Kreativität inspiriert, auch wenn ich den Begriff „Elfchen“ zuerst nicht zuordnen konnte. Es geht darum, ein Gedicht zu schreiben, das aus – tadaa – 11 Wörtern besteht. Die Regeln lauten wie folgt:

1. Zeile nenne eine Farbe (1 Wort)
2. Zeile nenne eine Sache, die diese Farbe hat (2 Wörter)
3. Zeile sage, was diese Sache tut, oder wo sie sich befindet (3 Wörter)
4. Zeile beginne diese Zeile mit dem Wort „ich“ (4 Wörter)
5. Zeile schreibe irgendein Wort (1 Wort)

Ich werfe dieses Stöckchen an alle, die es haben wollen (wie immer alles ganz zwanglos hier ^^)
Ach ja, und mein Ergebnis gibt es natürlich auch noch:

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Hühnergeschichten XV – „Fuck die erste“

12. Oktober 2010

Huhn 1 und Huhn 12 sitzen mit ihren neuen Wollschals bei einer Tasse Rosentee zusammen und unterhalten sich über Zipperleins.

Huhn 12: There was this one night when I woke up with a sore throat and it just hurt so much that I had to do something. I don’t have any throat medicine here so I thought maybe my mouthwash would disinfect whatever is going wrong in there. So I got up, still half asleep,  stumbled to the bathroom and fumbled for the mouthwash. While I was gurgling I reminded myself to spit it out after I’m done.  But… you know what’s next: I was so tired and exhausted that I really swallowed that damn stuff.

And then I thought FUCK – and went back to bed.

Veränderungen

7. Oktober 2010

Bier mögen

Migränetabletten gegen Magen-Medis tauschen

in Englisch denken und nach deutschen Worten suchen

beim Alter schummeln, um nicht immer die Älteste zu sein

sich wie ein Teenager nach Ausgehsperre leise ins Haus zurückmogeln

billige Drachenfrucht und teure Cornflakes in den Einkaufswagen stopfen

am 4. Okotber das erste Mal nach Sommerende mit Jacke auf die Straße gehen

sich darüber aufregen, dass die 1,50€-Taxifahrt viel zu teuer war

3 ermüdende Stunden für einen Supermarkteinkauf brauchen

Essstäbchen für das praktischere Besteck halten

Käsestulle für das beste Essen der Welt halten

Weihnachten im Januar feiern wollen

bügeln

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Zwei Monate wech und schon is dit Leben upside down.

Essstäbchen für das praktischere Besteck halten