Aus gegebenem Anlass

19. Mai 2011

Bei Halsschmerzen … was geht gar nicht?

Heißes oder Kaltes?

(Diskussionsrunde eröffnet)

PS: Und heißt es aus „gegebeneN Anlass“ oder aus „gegebeneM Anlass“?

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Ägypten von oben

17. Mai 2011

Oder: Sandstrandkunst in Warnemünde…

China-Fazit die sechste und letzte

14. Mai 2011

Step 6: Get out of here

Geburtstag in Qingdao feiern – mit chinesischem Schriftzug als Krönchen, lila Sahnetorte und Ladies’ Night in der Lieblingsbar. Weihnachten im „Element Fresh“ (extravagante Salate und Smoothies gefällig?) in Shanghai. Silvester auf der großen Mauer bei Peking. „Ich liebe dich“ von einer chinesischen Studentin hören und sie dafür umarmen dürfen. Bei Masterbewerbungen helfen. Aus dem (deutschen) Nähkästchen plaudern und auf offene Augen und Ohren stoßen. Ein neues Lieblingsgericht haben, das umgerechnet vielleicht 60 Eurocent kostet. Schals shoppen ohne pleite zu werden. Postkarten von zu Hause sammeln und damit die einst langweilig-weiße Wand dekorieren. Mir mit dem Lektor einen Mal-Contest auf der Tafel liefern vor Augen der gesamten Klasse – größte Herausforderung: ein T-Rex. Den Cousin als einzigen Besucher von zu Hause am Flughafen begrüßen. Abgehetzt, mit zerstrubbelter Frisur und ausgelatschter Jeans in den Unterrichtsraum stürmen und zu hören bekommen, man sehe heute besonders hübsch aus. Erfolgreich die Aussprache von „Pferd“ vermitteln. Salat mit Stäbchen essen können.
Nur ein Bruchteil der Gründe dafür, warum das sich hier gelohnt hat. Warum es okay war, durchzuhalten, auch wenn
die Internetverbindung Gelüste übers Teetassen-an-die-Wand-Schmeißen in einem wach ruft,
Verteilerdosen bei Überlastung einen Zimmerbrand auslösen können,
man mehr als zwei Hände braucht, um die ganzen erlebten Magenkrankheiten aufzuzählen,
ich keinen chinesischen Mascara mit geschwungener Bürste gefunden habe und mir den schicken lassen musste,
man trotz dreifacher Pulloverschichtung und Wintermantel im Klassenzimmer friert
und auch wenn die internationalen Supermärkte keine Lebkuchen anbieten.
Fazit: Jetzt packe ich einen Koffer voller erhandelter Klamotten vom Nachtmarkt und einem Satz neuer Erfahrungen und mache erst einmal eine Chinapause. Schlüpfe von der Rolle als Assistenzlehrerin zurück in die der Studentin. Werde zu jeder x-beliebigen Tageszeit duschen gehen und zu viel Geld beim essen gehen ausgeben. Und mich an der Supermarktkasse daran erinnern, nicht aus Versehen zu sagen: „Duìbùqǐ, yǒu dàizi ma?“

.

… übrigens: Den Bericht im Ganzen gibt es zum Nachlesen hier

China-Fazit die fünfte

13. Mai 2011

Step 5: Get the best of it  

Das beste draus machen bedeutet das beste bekommen. Nach ein, zwei Monaten Qingdao dämmert’s einem langsam: trotz entsprechender Einwohnerzahl kann man mein neues Zuhause kaum als Großstadt bezeichnen. Das Kultur- und Barangebot ist nett, aber überschaubar, sodass man am Wochenende immer wieder den gleichen Gesichtern begegnet. Dafür liegt Qingdao unweit von Peking und Shanghai. Und das beste draus machen heißt in diesem Fall Rucksack packen und Wochenendtrips in die wirklichen Metropolen unternehmen. Zu unterrichten ist in keinem Fall eine leichte Aufgabe. Aber chinesischen Studenten, die es aus der Schulzeit gewöhnt sind, still und reserviert zu sein, in einem Theaterkurs beibringen zu wollen, aus sich herauszugehen, ist eine unglaubliche Herausforderung. Da heißt es Hände vorm Gesicht zusammenschlagen und mit dem Schreien warten, bis man wieder zu Hause ist. Aber: auch daraus lässt sich das beste machen. Man muss nur versuchen, in Sekundenschnelle spontan und kreativ zu sein, sich in die rund 10 verschiedenen Rollen des Stücks hineindenken, Bewegungsanweisungen geben und dann auf einem imaginären Regiestuhl zusammensinken, um die Nachwuchsschauspieler bei ihren ersten unsicheren Schritten Richtung Rampenlicht zu beobachten. Die Entwicklung eines funktionierenden Stücks für den alljährlichen Theaterwettbewerb zwischen den Sprachinstituten der Universität Qingdao war die schwierigste und gleichzeitig beste Aufgabe, mit der ich mich als Praktikantin konfrontiert sah. Schauspiellehrerin, Regisseurin, Choreografin, Drehbuchlektorin und Motivationskünstlerin („Das wird ganz toll! Jetzt ist es viel Arbeit, aber ihr werdet sehen – es wird keinen besseren Tag in eurer Unilaufbahn geben als den, wenn ihr euren großen Auftritt habt! Ehrlich!“) – vor all diesen Jobbezeichnungen darf für mich gern ein „Möchtegern-“ gesetzt werden. Und die Belohnung für die ganzen Mühen? Genau, der Auftritt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, einem Theaterstück von hinter der Bühne aus zuzuschauen, das man quasi von Anfang bis Ende mitentwickeln durfte. Vor allem, wenn man sieht, wie die anfangs steifen, reservierten Schauspieler dann plötzlich zu Popliedern tanzen, Todesschreie ausstoßen und als Armee von Zeitdieben aufmarschieren. Ich war nie stolzer.
Spaßtipp für die nächste Geburtstagsparty: Konfettikanonen abschießen. Habe ich in Deutschlandnoch nie gemacht und bin mir auch nicht sicher, ob es die Dinger da gibt. Aber wenn ja, werde ich mir sicher welche besorgen. Ich hatte eine Heidenfreude daran, eine besagte Kanone am Ende des Theaterstücks über der Bühne abzufeuern.

China-Fazit die vierte

12. Mai 2011

Step 4: Get accounts moving

Erster Blick in die Unterrichts- und Büroräume bringt folgende Erkenntnis: aha, hier sieht’s also anders aus als im Seminarzimmer daheim. Aber wenn man das gewollt hätte, hätte man ja auch in Deutschland bleiben können. Bröckelig, alt und nicht besonders gut ausgestattet – das schreit doch geradezu nach Abenteuer. Also Safarikappe auf, Lasso geschwungen und dann ab dafür. Das erste Treffen mit den Studis läuft dann auch fast so ab – angucken, begutachten und versuchen, Sympathiepunkte einzufangen. Gesichter merken. (Namen merken ist ein Ziel, das ich bis zum Ende des Praktikums nicht vollständig erreichen werde.) Und dann kommt alles ins Laufen. Ich bin stolz auf mich, dass ich schon nach einem Besuch das Unterrichtsgebäude ganz allein finde, obwohl auf dem Campus alles gleich aussieht, und dass ich nach zwei Wochen erkenne, wer „meine“ Studis sind und dass die Eingewöhnungsphase doch relativ kurz zu sein scheint. Kaum habe ich „Hallo, ich bin Anja aus Deutschland“ gesagt, fläze ich mich im nächsten Moment wie selbstverständlich auf die alte Ledercouch im Deutschlehrerzimmer, korrigiere Essays mit dem neugekauften Rotstift und mache mir Notizen für das „Wie korrigiere ich meine eigenen Texte“-Merkblatt für die Schreibklasse. Auf dem Plan stehen fortan: vorbereiten, korrigieren, beim Unterricht zugucken (inkl. Dazulernen), Aussprachetraining geben, Referate bewerten und die Deutsche Ecke schmeißen. Letzteres beginnt immer damit, den Büroraumschlüssel im richtigen Winkel ins Schlüsselloch zu stecken, was im Dunkeln (ab 18 Uhr gibt es kein Licht mehr im Deutschgebäude – vielleicht wird die Energie für das warme Wasser in den Wohnheimen gebraucht…) und bei einem vielverzahnten Schloss gar nicht mal so einfach ist und dann den Beamer aus dem Schrank zu wuchten und dabei aufzupassen, mit der Tasche nicht gegen irgendwelche Ecken zu stoßen. Natürlich gibt es immer die zwei bis 300 Schreckenssekunden, während der man glaubt, dass die Technik nicht funktioniert, von denen man aber erlöst wird, sobald der Beamer erfolgreich das PC-Hintergrundbild (ein Stargate-Poster; natürlich erteile ich den Studis zwischendurch noch einen kurzen Crashkurs in nordamerikanischer Science-Ficition-Kultur) an die Tafel projiziert und man anfangen kann, über ein Thema mit Deutschlandbezug zu reden. Manchmal sitzt der Lektor nicht dabei – was ganz spannend ist. Ich muss Gesprächspausen irgendwie selbst bewältigen und die Klasse motivieren – auf der anderen Seite wird mich keiner kritisieren und ich habe alle gestalterische Freiheit. Und so rede ich die kommenden Wochen über Sternzeichen, das deutsche Schulsystem und Adventskalender und fröne ganz eigennützig meinem Singhobby und spiele Chorleiterin.
Größte Herausforderung: Keine Lehrtätigkeit kann so schwer sein wie das, was mein innerer Schweinehund täglich bewältigen muss, wenn er dieses eine, altbekannte Bedürfnis verspürt. Warten oder wagen? Kaum eine Entscheidung ist so schwer, wenn die Tasse Grüntee vom Frühstück und die Flasche Laoshan-Wasser vom Tag ihre Freiheit fordern. Eine Packung antibakterieller Tücher sind nun Standardausrüstung – und zwar nicht nur, um die Hände sondern auch die eigenen Schuhe von unten zu reinigen. Ich möchte keine Stereotypen heraufbeschwören. Aber Toiletten in China sind ein Abenteuer. Auch in Unis.

China-Fazit die dritte

11. Mai 2011

Step 3: Get-together  

Neben den ganzen Spaziergängen an Qingdaos rotbraunen Kieselstränden, an denen sich Männer in knappen Badeschlüppis gern mal einfach mal so in den Sand legen – wegen des Peelingeffekts oder weil sie kein Handtuch besitzen – , darf man das eigentliche Ziel dieses Aufenthalts nicht aus den Augen verlieren: das Praktikum. Hilfe/Unterstützung/Assistenz beim Unterrichten im Deutschinstitut an der Universität Qingdao. Als Vergütung gibt’s das Einzelzimmer mit den zwei Betten und gelegentliche Kaffee-, Bier-, Pizzaeinladungen und Anekdoten aus dem Lehreralltag eines Deutschen in China vom für einen zuständigen DAAD-Lektor/Chef/Ralf, der mit einer handvoll Partytricks die abendliche Rotwein- und Käseplattenrunde bespaßt.  Neben dem Kennenlernen der Kollegschaft erleichtert es einem die Feriencampatmosphäre im Wohnheim für internationale Lehrende und Studierende, mit anderen Neuankömmlingen in Kontakt zu kommen, sodass man in Zukunft weiß, wen man anrufen kann, wenn man nicht allein essen gehen oder Qingdao weiter touristisch erobern will.
Großer Pluspunkt: Ich bin beeindruckt, wie viele Menschen verschiedenster Herkunft man innerhalb einer Woche um sich scharen kann. Die Amerikanerin, die auch noch nie auf einem anderen Kontinent unterwegs war und hier englisch lehren wird; die Französin, die mit ihren 19 Jahren schon halb Asien gesehen hat und gerade ihr zweites Auslandssemester in China beginnt, der Tscheche und der Engländer, für die China ein alter Hut zu sein scheint und einen mit der Weisheit bekannt machen, dass es das beste chinesische Essen in den kleinsten, dreckigsten und entlegensten Restaurants gibt. Ich wollte China und bekam Multikulti. Yes!

China-Fazit die zweite

10. Mai 2011

Step 2: Get to know the rules

Genau. Warmes Wasser nur zwischen 6 und 8 und zwischen 18 und 22:30 Uhr; Internet im Zimmer nur mit Kabel und auch nur auf Anforderung und nach Bezahlung; Öffnungszeiten des Wohnheims von 5 bis 23 Uhr. Dafür bedeutet „Einzelzimmer“ hier, dass man ein Zweibettzimmer für sich allein und somit doppelt so viel Platz hat, dass man sein eigenes Bad hat und die Warmwasserzeiten mit niemandem teilen muss, dass man ein lauschiges Internetcafé mit Loungemusik und Cheesepizza im ersten Stock und einen Kiosk mit einem Vorrat an Zahnpasta, Kleiderbügeln und roten Korrekturstiften im Erdgeschoss hat. Und der Zapfenstreich? Der ist eigentlich auch nicht mehr so wichtig, sobald man herausgefunden hat, in welchem Winkel man seine Hand durch die Gitterstäbe schlängeln muss, um die „verschlossene“ Wohnheimtür von außen zu entriegeln. Dann heißt es nach durchzechter Nacht nur noch raus aus den Absatzstiefeln und bestrumpften Fußes durchs Foyer tapsen, hoffen, dass man unterwegs nicht niesen/husten/aufgeregt mit Gleichgesinnten flüstern muss und so leise wie möglich die zehn Meter zum Treppenhaus zurücklegen, um den schlafenden Rezeptionisten nicht zu wecken. Falls es doch passiert, stehen Flucht, chinesische Entschuldigungsfloskeln oder kleine Geschenke zur Erhaltung der Freundschaft zur Option.

Neue Erfahrung: Ich bin eigentlich zu alt dafür, mich wie ein Teenager nach einer Party heimlich ins Haus zurückzuschleichen. Aber wenn ich so darüber nachdenke, habe ich das vor China eigentlich noch nie gemacht…  

China-Fazit die erste

9. Mai 2011

Fazit, Zusammenfassung, Schlussfolgerung
… oder wie nennt man doch gleich das letzte Kapitel in einer Hausarbeit?

Ich bin nicht im fernen Osten verschütt gegangen oder kämpfe gegen eine fiese Internetsperre – nein, ich bin wieder da! Und um meine Berichterstattung aus China abzuschließen, gibt es nun hier einen sechsteiligen Fazitreport – und danach geht’s hoffentlich wie gewohnt weiter auf meinem blog.


Step 1: Get out of the plane…
Vielleicht hätte alles ein bisschen unaufregender angefangen – wenn man schon einmal in Qingdao gewesen wäre. Oder überhaupt in China. Oder in Asien. Wenn man schon einmal so weit und lange geflogen wäre. Wenn man schon Erfahrung darin hätte, auf halber Strecke den Flieger zu wechseln. Wenn man schon einmal länger als zwei Wochen von zu Hause weg gewesen wäre und Ich-finde-schnell-neue-Freunde-Erfahrungen in Kinderferiencamps gesammelt hätte. Oder wenn man mehr als „Hallo“, „Danke“ und „Sprichst du Englisch?“ auf chinesisch sagen könnte. Aber warum sich den Spaß verderben? Deshalb: raus aus dem Flieger, nach zwei Metern mit dem Riesenrollkoffer aufgrund jeglicher Muskelabstinenz den völligen körperlichen Zusammenbruch herannahen sehen und nach jemandem Ausschau halten, der nach mir Ausschau hält. Abholung klappt – na das fängt doch super an. Und neben persönlichem Begleitservice zum Campus gibt’s gleich den ersten Kontakt zu einer chinesischen Deutschstudentin, die mir neben ein paar Alltäglichkeiten aus dem Studentendasein an der Universität Qingdao auch die erste Insiderinfo über meinen künftigen Chef gibt: „Ja, der is’ nett.“

Memo an mich: Aufgrund der 20kg-Gewichtsbegrenzung die Klamotten für die kommenden drei Jahreszeiten teilweise unter beide Arme klemmen, zwischen Rucksackgurte stopfen und – trotz 30 Grad plus – anziehen. Macht die Ankunft nicht gerade unanstrengender, aber man kann ja duschen… ab 18 Uhr.    

China Impressions II

19. Januar 2011

Was krabbelt denn da?

 

Ein Tausendbussler!

China Impressions I

16. Januar 2011

Jetzt endlich, nach so vielen Monaten in China, möchte ich anfangen, meine kleine Sammlung zu präsentieren. Kuriositäten, Merkwürdigkeiten, Lachhaftes – alles, das Kopfschütteln, Grinsen, „Nee, oder?“ auslöst und in einem Bild gesagt werden kann. Los geht’s mit diesem hier… geschossen in einem öffentlichen Bus in Qingdao.

Ic frage jetzt nicht, wem der Fehler (wahlweise darf hier auch Plural angewendet werden) auffällt…